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Freitag, 13. Dezember 2013

drohnenlied




DROHNENLIED


wollt ein dröhnchen postmann spielen,
mir pakete bringen,
kam gar mutig angebraust,
wie auf adlers schwingen.
doch, oh, graus, was war denn das,
händchen von klematis,
wildem wein und efeu gar,
machten sich daraus nen spaß,
fassten ins propellerhaar,
wollten es bezwingen...

dröhnchen fing zu rattern an,
pendelte dann kläglich,
schlenkerte im kreis herum,
schrappte ganz unsäglich,
links ein stück und rechts ein stück,
liebestoll gefangen,
hielten es die arme fest,
konnt' nicht weg gelangen,
links ein stück und rechts ein stück,
liebestolles necken,
dröhnchen wusst nicht ein noch aus,
blieb im efeu stecken.

ätsch!

die ambulanz für drohnenschaden
kam alsbald daher,
schnitt es aus dem efeu raus.
was für ein malheur!
"so ein gottverdammter mist!",
grunzt' der sanitäter,
packt' den drohnenleichnam ein:
"d'bücher kriegn se später!!"

dem dröhnchen war, welch missgeschick,
die bücherbox entglitten,
sie hatte einen großen knick,
war mittendrin zerschnitten.
die bücher aufgeweicht und schlapp,
ein elend, ein verderben,
antike wunder, aus vorbei,
auch diese mussten sterben.

und wollt ich hämisch lachend jetzt
der drohne tod besingen,
kann ich ob meiner bücher tod,
die tränen kaum bezwingen...


gabriele brunsch

Montag, 2. Dezember 2013

RosenWinterKinder



Das Jahr, es ist schon lange müde,
die Augenlider werden schwer und schwerer,
die Dämmrung schwappt schon in den vollen Tag,
und Parke, Plätze werden leer und leerer.

Im Moos die Blätter liegen wild-verstreut,
und krallenartig greifen Äste in die Luft, 
da ist nur Wind und dieser kalte Duft,
von welkem Moder tief durchtränkt.

Sieh, Bitternis verfängt sich in den Zeilen,
so blass und matt, so gänzlich ohne Trost,
denn leergedichtet ist das Meer der Worte,
selbst Reime wollen nicht verweilen. 

Nur eine endlos abgespielte Melodie
die singt vom Sterben, singt vom nahen Tod,
und singt und singt so klanglos klagend nur 
so schauerlich, als litt' sie selber Not.

Da öffnet sich der Himmel für Sekunden,
und Sonnenstrahlen huschen auf das Beet,
wo ganz vergessen und verzögert,
die Rose, fröstelnd und verängstigt,
mit spät geschlüpften Knospen steht. 

"Hei, Sonne! Wärme! Komm!", ruft sie beglückt,
und schon verstummt das fahle Lied,
die Sonne, hergelockt, sie ist verzückt,
als sie die Rosenknospen sieht. 

"Schau! Rosenwinterkinder!", jauchzt die Sonne, 
und schießt mit mitttäglicher Kraft
ins rosenrote Rot mit größter Wonne,
und saugt vom Boden frischen Saft. 



Die Knospen öffnen sich, sie sind erblüht.
Die Menschen bleiben staunend stehen,
zur Unzeit ist dies Wunder jetzt geschehen,
in ihren Herzen Hoffnung glüht.



"Die Allerschönste war ich im Dezember!"
flüstert die Rose, als der Nachtfrost naht,
das Köpfchen hochgereckt, die Augen glänzen,
"Ich bin bereit! Nur zu! Nimm mich ins Grab!"