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DIESES BLOG WIRD ARCHIVIERT vom DEUTSCHEN LITERATUR ARCHIV MARBACH

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Deutsches LiteraturArchiv Marbach

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Freitag, 17. September 2010

Mutiert zum Todesengel

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Die Mauer wuchs um mich herum, in Glockenform,
schalldicht und gläsern, sonderbar gedämpftes Sein,
darin nur ich und ich, und Muschelrauschen das betäubt.
Ist’s nicht mein eignes Blut das orchestriert?
Ich weiß, ich weiß schon längst, dies Ding ist fest.
Die Seelenpein perlt wie Champagner an der Wand aus Glas.
Was meine Welt anpisst, was geht’s dich an,
war je ich Augentrost für dich? Nun will ich Dorn Dir sein!
Dein Blick ging über meine Stirn hinweg,
dort wo Du hinschaust bin ich nicht. Dort war ich nie.
Was noch voll Milde wurde starr, wenn es mich sah.
Ich hab mich nie versteckt, ganz offen war ich, ganz,
zu weich, zu klein, zu schwach, zu wenig war ich
von der Welt für Dich, die Du von mir erträumt...


Aus diesem frostigen Metall erwächst mir Glut,
verbrenne ich Verachtung - davon die Augen leuchten,
verbrenne ich Verdruss, verbrenne ich die Niedertracht,
verbrenne ich den Abstand, der mich von Euch trennt.
Ich fass Euch an mit meiner heißen Hand, ihr werdet sehn,
mein Schreiten reißt im Rhythmus Risse in die Wand,
Pam, Pam, Pam von Neuem und zerklirrt das Bild von mir,
fasst es ganz neu, nach meinem eignen Planentwurf.
ich nehme mir die Macht, ich präge, stanze mich ganz neu,
Pam, Pam, Pam... Katharsis ...Pam, Pam, Pam.
Am Tunnellende Licht, siehst Du ich wandle mich?
Was kümmert mich dein Zittern, dass dein Atem stockt,
noch ist die Welt im Alltagssumpf verschwitzt, ist so normal,
noch hast du keine Not und keine Ahnung, keine Qual.


Du fragst nicht nach dem Druck, nicht nach der Wut.
Du siehst auch nichts. An meinen Augen, meinem Lippenstand,
am Pulsschlag wo die Halsschlagader rast, am düstern Faltenwurf
des Lids, am Trotz? Mundwinkel ebenmäßig aufgestellt,
was weißt du, hast du je gewusst von meiner Welt?
An diesem Morgen los ich Leben mir als Pfand,
die Summe Angst versengt den angestauten Hass,
der wilde Lauf des Racheengels ist das Maß.
Dort, wo die Feigheit wohnt, dort bin ich nicht,
erkennst du jetzt mein hehres Potential? Ich steh im Licht.
Im Mauerwerk der Schläfen wird das Rauschen lauter,
der Takt der Schüsse automatisiert den Schritt,
die Welt versinkt in schattenhaften Schemen,
dein aufgeblähtes Heldentum, das nehm ich mit mir mit.



(Dieses Gedicht schrieb ich Mitte März 2009 nach dem schrecklichen Ereignis in Winnenden.)

Sonntag, 12. September 2010

...noch einmal ganz für sich...

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verstohlen zieht licht
seiner bergbraut den schleier
aus nebel vom leib...

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Montag, 6. September 2010

e n t r ü c k t ... (Nachtrag)



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furtively daylight

pulls its bridal veil of fog

off the hillside


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The Shiki Monthly Kukai
September 2009
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( sachte zieht frühlicht
den brautschleier aus nebel
vom berghang )
VARIATION:



verstohlen zieht licht


seiner bergbraut den schleier


aus nebel vom leib...



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Dienstag, 31. August 2010

ABER ES İST MEHR...



Es ist Hoffnung,
wiedergefundene Hoffnung,
auf etwas,
von dem ich nicht einmal
als Kind gewusst habe, was es ist.

Wer seine Träume vergisst,
der stirbt von innen.

Doch ich lebe...

...ich lebe die Träume
in der Realität,
und mache die Wirklichkeit mir zum Traum,
so dass ich nie Angst haben muss,
ich könnte aus dem Traum,
den ich lebe, aufwachen,
und ich werde nie aufwachen,
denn der Traum ist das Leben,
und das Kind in mir ist unsterblich,
es wird ewig das Leben träumen,
denn ich lebe meine Träume,
und ich träume mein Leben...

...und ich bin glücklich.

Wolfgang-Imre Brunsch, 2001



Samstag, 21. August 2010

Zweiter Morgen

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Der Knabe, der suchend
den feuerhellen
Morgenschlaf erwartet,
trifft erschrocken auf den Tod,
der auf grauer Strasse lauert.

Zieht er in die Ferne
mit den flügellosen Wesen,
die in den Wolken tanzen,
oder stirbt er einsam
in Mutters Armen?

Balde der Frauen Klage
an schwarzer Friedhofsmauer hallt,
doch am braunen Erdwurf,
der eines Knaben Leichnam birgt,
ein liebend Mädchen Tränen lacht.


Wolfgang-Imre Brunsch, 1996


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Dienstag, 10. August 2010

... der wert der worte ... (angepasst)

...gut? ja, sicher, einzig so ...und gut...?



alles verwittert,
alles vergeht,
verschimmelt,
zerfällt und verfällt,
zerzauset sich,
verwettert,
verflüchtigt sich...

buch,
akte,
offen, gesiegelt, versiegelt,
brief und geheft,
getipptes, signiertes, von hand, maschinell,
dahingerafft, vergessen, verschleudert,
vernachlässigt, verachtet, verfehmt,
vernichtet, vernichtet, vernichtet.

schön, während fehlgelupfte palimpseste,
papyri,pergament, karton,
sich taub einfädeln in den kreislauf,
nicht seufzen, nicht schreien,
selbst stelen, steinzeuge,
sich zersetzen,
schluchzt selektives bewusstsein selektiv auf?

floppy-disc, zeit-verzögert-sinnlos,
cd-rom, daten-cd who knows what it keeps,
secrets, eins und eins, bilder, wort-bilder,
bild-worte, filme, sequenzen, zeiten,
ungreifbar - unbegreifbar - entkräftet
verschlupfen ins nichts,
verduften stromlos,
verschlupfen nicht-existent
entwertet,

zur unzeit versickert in ungnade.
wer wohl wollte, wenn nicht man selbst.
wer läse denn dieses und jenes,
wo schwelte interesse....

Sonntag, 8. August 2010

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der wert der worte

leicht und schwer - klang oder schrift

verflüchtig sich - nicht?



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Ich danke Juergen Kuehn für dieses
Kommentargedicht:

Jedes meiner Worte stolpert,
schon während ich schreibe,
unbewohnt in die Vergangenheit.

Schon die Gedanken verschwanden,
bevor ich sie niederschrieb, beinahe
unzugänglich in ihrer Einsamkeit.

Selbst das Bild dazu enteilte,
früher als mir lieb war, flüchtig
flimmernd ins Perfektum.

Es sorgt mich das falsche Wort,
gar ausgesprochen, das unlöschbar
in Vergangenheit und Zukunft wirkt.


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Donnerstag, 29. Juli 2010

LEKTÜRE: KIRSTEN HEISIG - Das Ende der Geduld!!! -

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die hand auf der stirn

schlägst du, schlägst - zögerlich quillt

erkenntnis ins jetzt...



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Montag, 19. Juli 2010

W A N D E L




...was, wenn die heimat, die geliebte, dich verstößt?

...was, wenn efeu und wein verstachelt sind und dich blutig schlagen?

...was, wenn das lachen verebbt?


...was, wenn seufzer durchs grün klagen, bei tag und bei nacht?



...dann brechen dämme.sind dämme gebrochen...

...dann zerreissen bande.sind bande zerrissen...


...dann verklingt der gesang.ist gesang verklungen...

...dann zerbirst die erinnerung, die trostspendende.ist erinnerung zerborsten, die trostspendende...


...und am rande der nacht suchst du die spuren,
vom regen verwaschenene linien...







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Sonntag, 18. Juli 2010

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...und klemmen schluchzer

in deiner kehle - alpdruck

schält hautfetzen - roh...
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blaustolz am wegrand

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morgentau

durchglitzert das weizenfeld

blau-stolz am wegrand


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Mittwoch, 30. Juni 2010



der weiße ballon

entschwebt ins blau des himmels

...brieflein verloren...




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Dienstag, 22. Juni 2010

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die welt ist so stumm

bilder vertaumeln lichtblind

- wortklang im geiste -





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Montag, 21. Juni 2010

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- verzagtes zittern -

den schleier von ignoranz

entblößt das grinsen





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Donnerstag, 17. Juni 2010

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sind meine tränen

die der regen weint - trocken

bleibt meine wange



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Montag, 14. Juni 2010

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swallowed by the wind

the violin's weeping sound

sucking up raindrops



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verschluckt vom wind

der geige schluchzender klang

schlürft regentropfen



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Freitag, 4. Juni 2010

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zerborsten der tag

dickicht, nebelverhangen,

suche beendet



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Donnerstag, 3. Juni 2010





steinschleuderspiele

platsch - das quaken verstummt -

nachts vor dem fenster



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Donnerstag, 20. Mai 2010






ein haiku schreiben,

von klängen, wasser und frosch...

wie furchtlos wär ich