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Donnerstag, 26. April 2012

BINDEZAUBER

*
kannst du es fühlen, liebster mein,
im sturm der wilden regungen
peitscht bitterkeit den eitlen zorn
mit geiler macht hervor,
lässt liebesbänder
fadenscheinig brechen.
zerfranst das tuch,
das unsre liebe deckte,
zerfleddert schon das buch,
das unsre guten stunden schrieb.

ich will mit einem zauberspruch
all diese zweifel binden
und spielen mit den spitzen klingen,
die unsre launen rachesüchtig wetzten
und lächend tief in die vergebung tauchen,
in meine und in deine auch.
dort dock ich an, nur ein versuch!
(in alten zeiten lass uns wiederfinden
wonach wir einst so lustbeflissen lechzten):
"komm liebe machen,
wie es unser brauch ..."

doch, ach, nichts war’s,
die macht des zaubers ist verpufft,
vergebung, was ein lächerliches streben,
einseitig, ach, wer sollt hier was vergeben?
das, was verzweifelt ich gesucht,
wird nimmer sich ergeben.
die liebe – ist ein wort,
nichts als ein wort,
ein wort.

der frühling fächelt frisches leben,
im morgenwind ein vogel ruft,
lausche hinaus, du kennst den ort.

*






Mittwoch, 24. August 2011

versuch...

ich spür den regen, bitterkalt,
doch hältst du meine hand,
musik sie dringt,
ich geh, im takt,
von pflasterstein zu pflasterstein,
ich hüpf von wand zu wand...

die seitenstraße ist das lied
es ist magie, der zauber schwingt,
ich folge ihr, melancholie,
ich bin verführt, ich bin erlöst,
das trugbild lockt und singt...

da ist nichts mehr,
nur regeneis, ich bin im ton verstummt,
ich taste mich von wand zu wand,
die luft selbst ist mir unbekannt...
dies ist verlust, ist schmerz, betrug.

hab falsch geträumt.
glückseligkeit -
ein taumel wilder illusion -
hat mich verführt.

könnt mich verwandeln,
könnt das sein?
im clownsgewand,
im totenkleid,
verjüngt-nirvana-schön
und rein?

das narrenspiel ist ausgeträumt,
der tag, die nacht, ist nur fiktion,
ist mummenschanz, der große!
entpuppt, entfaltet, neu gemacht...
durch deinen kuss?
dass ich net lach...
     nix wars mit metamorphose....



.

Montag, 8. August 2011


...so muss ich jetzt mit meinen eignen wörtern zaubern,

die doch schon längst bezaubert sind,

herausgeholt aus myriaden bildern und gedanken,

ins fabelreich der welt hineingestellt,

die wörter sind jetzt goldne zaubernüsse,

geknackt und wunschbeladen schippern sie,

ein wenig zögerlich in weite horizonte.

ich bin verhindert, leer und ausgehöhlt

und leide vor dem berg von eignen wörtern,

die mir den freien atem rauben.

ich lächle, hilflos lächle ich,

bin tränenreich und endlos bang,

und taste mich am wortlaut-klanggerüst entlang

und suche sinn, doch komm ich nicht voran...

die welt sie hält mich noch gefangen,

hält mich mit festem griff in ihrem bann,

bin wortlos, wortleer, eine hohle hülle,

    weil mich natur, das tier, verschlang...

Samstag, 6. August 2011




...so geht die welt,
letztendlich,
am verschleiß verloren,
oder wars unlust,
eigenlust? fatal.

so geht die welt, 
an der wir alle hängen,
so eigenwillig lustlos,
unlustig ins tal! fatal.

sich bäumen, sträuben,
sich gigantisch zerren.
ein wenig schreien, jammern,
knurren, flehn! fatal.

so streit dich, zisch dich frei,
genieß dich,
ach, leb dich aus,
vergnüg dich...

verdammt!

nun sei doch endlich mal!








ein hinzugedicht von Ursa:

grenzen-los-zeit-los 

nun sei doch endlich mal...

sei endlich mehr
als das dunkelnde Licht
an Tagen die Herbst atmen
sei durstig
sei hungrig
sei Blut
sei Leben
sei alles

sei endlich mal  

Donnerstag, 4. August 2011

salz

.

im hellen licht funkelt das salz
wie tausend diamanten
kein bisschen schmutz,
kein hingestorbnes teilchen,
das reinste, reinste fleckenlose weiß...

in salz gebettet
langsam ihm die herrschaft übergeben,
nicht dreckig zu verrotten,
nur leicht entwässert schweben,
ein bisschen mumie,
ein bisschen eingesalzne leiche...
   die bleiche...

   .

Freitag, 29. Juli 2011

.




schon einzigartig, was die welt sich mit uns leistet,
schubbst rasch uns in vergessenheit, 

und wenn man unterwürfig fragend sinn und grund erforscht,  

dann findet man sich leicht verschlüsselt, namensspuren,

die schrift vom sauren regen ausgehöhlt, das kreuz vermorscht

der zeilenumbruch hinter erfeuschleifen. was, denkst du, 

hast du hier verloren, wo alles ruhig ist, so atemlos und weit.... 

 


.

Mittwoch, 13. Juli 2011

lache perlend in die nacht

 
 
vorübergehend nehme ich den finger 
aus der wunde meiner dunklen stunde,
ich lehne mich entspannt an einen traum 
und lass mich blindlings fallen,
umspült von fantasie und wellenwogen, 
seh ich die welt in grellen farben,
ein haubentaucher hält des mondkalbs 
ohrwurm frech in seinem schnabel,
ein beutezug der andren art, denk ich, 
und lache perlend in die nacht,
der nachbar klopft, er macht sich sorgen, 
er denkt hier liegt die welt im argen,
bizarr das hirngespinst, groteskes maskenspiel 
... noch ist nicht tot wer lacht.... 
 
 
(angeregt durch martin huber)

Freitag, 17. Juni 2011

O H N E T I T E L



Dunkle Erinnerung an Honig

tropft im Sturzflug

aus den Wolken,

die wir alle beim Namen kennen.


Abtauchen unter den Wimpernschlägen

einer unergründlichen Tiefe,

einer Bläue,

die uns von je her ängstigte.


Benetzt mit Unwissenheit

verweilen wir im Unverstandenen

solange bis die Frostschäden

des engültig letzten Winters

die gläsernen Käfige bersten lassen.


Geängstigt durch die ungeahnte Freiheit

hasten wir an uns vorbei,

zu tot um ein letztes Mal

den Honig zu kosten,

der nicht mehr ist als die Henkersmahlzeit 

einer Ameise.


© by MARTIN HUBER

Dienstag, 14. Juni 2011

zustand mitteleuropa 2011

.



...fern hinter feuersbrunst
und einer wand aus rauch

zurrt sich die gegenwart
im schneckentempo jetzt

zum  werg aus eitler wichtigkeit zusammen,

in anzüge  gehüllt aus sicherstem asbest

durchsteht ihr seelenleib
erstaunlich unverbraucht,

den sturm im auge des orkans –
so still und fest.





auch wenn die klare einsicht
manche stirne staucht.

das leben ist kein slapstick
und kein vorab-test,

so drängen sie sich medial-vernetzt zusammen, 

erheitern was den magen leicht verstimmt im nest, 

training, working-out,
was immer taugt,

sie sind der heile mittelpunkt –
die welt der rest. 






.

Dienstag, 12. April 2011


 .


für die kraft der neuen erinnerung
suche ich das vergessen...

für die tiefe des blauen himmels
lösche ich das anthrazit...

für die rotation der gefühle
öffne ich meine hände...

für die nähe der milchstraße
schließe ich meine augen...

für den rausch der liebe
spiegle ich dein lächeln...


.

Montag, 21. März 2011

kernspaltung

.



in der geborgenheit von
kleinen friedenszeiten
entschlüpfte ihren klugen hirnen
auf basis langgeschöpften wissens
die kenntnis, dass man energie,
die größte aller zeiten,
gewinnen kann.

spalte die kerne der atome
von uran.

welch großer wurf.
welch wunderbar geschenk.
geschenk des himmels. wow.
so strahlend schön,
schön wie die sonne selbst,
voll hellster helle, heller als das licht,
und strahlender, so strahlend
wie die größte kraft des alls....

...und während diese kraft
wie ein vermächtnis planvoll
und ideenreich  
die besten hirne tränkt,
wird irgendwo 
vereint im machtverbund
pandoras teufelstopf
erneut der welt geschenkt....
                 
jetzt kommen gier
und hunger nach der macht,
verheeren schlimmer als armeen
länder, inseln, wüsten, meere.
sie schlagen ein kometengleich.

und während hier in frieden
die strahlen kranke heilen,
und licht und energie
die nacht zum tage
umgestalten,
sterben sie anderorts
gleich wie die fliegen weg,
und werden siech.

empfindlich
ist der
mensch,
schmutzig missbraucht...

schütten sie asche auf ihr haupt
um sich zu läutern von der schuld?
scheuern sie ihre knie wund
die sünde rauszubluten?

die macher wähnen sich in sicherheit,
von einem unsichtbaren,
zaubrisch dichten schild geschützt.
doch nein,
die strahlen werden erst
in aller ruh von ihrem leib,
der innenhaut,
die feinsten spuren essen,
danach wird ihnen
nach und nach
die seele weggefressen....




.