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Montag, 2. Dezember 2013

RosenWinterKinder



Das Jahr, es ist schon lange müde,
die Augenlider werden schwer und schwerer,
die Dämmrung schwappt schon in den vollen Tag,
und Parke, Plätze werden leer und leerer.

Im Moos die Blätter liegen wild-verstreut,
und krallenartig greifen Äste in die Luft, 
da ist nur Wind und dieser kalte Duft,
von welkem Moder tief durchtränkt.

Sieh, Bitternis verfängt sich in den Zeilen,
so blass und matt, so gänzlich ohne Trost,
denn leergedichtet ist das Meer der Worte,
selbst Reime wollen nicht verweilen. 

Nur eine endlos abgespielte Melodie
die singt vom Sterben, singt vom nahen Tod,
und singt und singt so klanglos klagend nur 
so schauerlich, als litt' sie selber Not.

Da öffnet sich der Himmel für Sekunden,
und Sonnenstrahlen huschen auf das Beet,
wo ganz vergessen und verzögert,
die Rose, fröstelnd und verängstigt,
mit spät geschlüpften Knospen steht. 

"Hei, Sonne! Wärme! Komm!", ruft sie beglückt,
und schon verstummt das fahle Lied,
die Sonne, hergelockt, sie ist verzückt,
als sie die Rosenknospen sieht. 

"Schau! Rosenwinterkinder!", jauchzt die Sonne, 
und schießt mit mitttäglicher Kraft
ins rosenrote Rot mit größter Wonne,
und saugt vom Boden frischen Saft. 



Die Knospen öffnen sich, sie sind erblüht.
Die Menschen bleiben staunend stehen,
zur Unzeit ist dies Wunder jetzt geschehen,
in ihren Herzen Hoffnung glüht.



"Die Allerschönste war ich im Dezember!"
flüstert die Rose, als der Nachtfrost naht,
das Köpfchen hochgereckt, die Augen glänzen,
"Ich bin bereit! Nur zu! Nimm mich ins Grab!"





Sonntag, 21. April 2013

Traumfolgen


ein netz aus schatten hat die nacht gewoben
drin baumeln zeichen, sind aus kaltem glas,
berührt dein finger diese glatten wesen
ertönen sphärenklänge, klingen lange nach.

ein windhauch hat schimärenhaft zerstoben
die schattenzeichen netz und glattes glas,
nur die musik, aus lichten wunderklängen,
vibrierte noch, als längst der tag anbrach.



Voller Dankbarkeit füge ich Bernhard Albrechts

Gedicht, das er mir im Kommentar zugeschickt hat, hinzu: 


Quelle

Die Stille
der Unmittelbarkeit einatmend
vibrieren Worte
im Klang der Sphären,
Nacht erhellt sich
im Tanz der Wesen,
die kreisend Deine Wege umfassen.

Du staunst,
spürst die Kraft,
die im Loslassen Dir zukommt -
verstehst,
findest Dich neu
von Augenblick zu Augenblick.

© Bernhard Albrecht, 22.04.2013
für Gabriele Brunsch



Sonntag, 31. März 2013

Schlaf des Dichters

***
Schlaf des Dichters

Das rote Siegel, Schlaf und Traum,
verbannt des Lichtes düsterste Gestalten,
den Flittergeist aus Wort und Angst und Wut,
das Hingehauchte und das Ausgestoßne,
das grelle Bildgemisch von
zäh-vertropften Stunden
schließt ab und öffnet,
das ist gut...

Die rätselhafte Macht des Siegels:
(da ist nichts mehr wie es gerade war)
bewahrt nur scheinbar Klang und Sinn,
verschüttelt Wort und Wort ganz ohne Zutun,
und bietet sie beim Aufbruch
scheuen Blicken
- von Staub befreit -
zum Neubeginn.
***

Dienstag, 12. März 2013

Graffiti

GRAFFITI

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wände,
an häusern, tunneln, bröckelnden fassaden,
...ich wohne mittendrin und wollte sterben...

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wesen,
die in den hinterhöfen hinter fahlen mauern leben,
...ich wohne mittendrin und will nicht sterben...

ist rot ihr herz, so schlägt es monoton im blassen takt
jahrausjahrein – ihr inneres ist wie die mauern nackt,
...ich wohne mittendrin und werde leben...

wer macht die fehlerhafte welt so willenlos,
dass sie sich einlässt auf das kahle, kalte blasse?
...ich wohne mittendrin und lebe...

ist nicht die haut des körpers atemschicht,
ist die haut tot, dann lebt der körper nicht.
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe...

will gott sein, kreateur zum trost der augen,
als spurenleger -licht in seele- will ich taugen,
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe...

mit farben lösche ich das farbenelend aus
ich spraye wortgeflecht und bild auf jedes haus.
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe..

Freitag, 8. März 2013

Sucht


SUCHT

im tiefsten dunkel meiner kalten nächte
bin unstet ich, gelang an meine grenzen,
ich torkel schwach zu virtuellen umschlagplätzen, 
wo träume und gedichte sie verticken, 
die scheinwelt abgelegter bildsequenzen,
als sei des glückes ursprung, sei sein unterhalt
in wortgeweben, teppichen zu finden.
man könnte fliegen, flüstern sie,
und preisen das verdichten
gleich einer rettung vor dem untergehen. 
zu viel von diesem stoff kann dich vernichten, 
du darfst dich nicht in dieser welt verstricken,
fliehst du nicht jetzt, dann schaffst du’s nie.


© gabriele brunsch

Freitag, 25. Januar 2013

EREIGNIS

ereignis


so weich die kissen –
weich die sofapfühle
weißt du, mein schatz,
dass ich mich elend fühle,
während ich sanften klängen
sehnsuchtsvoll ermattet lausche,
die lesezeit sehr gern
mit fußballwohlgefallen tausche,
schreit halbzeitstille mich von ferne an,
und ich weiß: halt!
schon wieder bin ich dran.

den schnittpunkt pause
wird er  w i e  betreten?
wird jammern er
und wutentbrannt
zum himmel beten?
wird er frohlocken, jubeln,
mich mit küssen überschütten?
mich liebestoll und wild
in meine kissen drücken?

ich starre vor mich hin
– erwartungsvoll -
und er tritt  ein.
die füße nackt,
die wange bleich,
wie wird das sein?

er lächelt sanft
und sinkt auf seine knie.
mein schatz, sagt er,
die warn so schlecht wie nie...
wie gut, dass du
auf mich gewartest hast,
nix fußball heut,
weißt was,
ich koch dir was.

dann zieht er mich aus meinen pfühlen,
beginnt mich sanft und zärtlich zu durchwühlen!
jetzt klingelts draußen, mist, wer kann das sein?
es ist sein bester freund, er lässt ihn rein....


fwg -mh

Freitag, 4. Januar 2013

winterfrühling

***

winterfrühling

in zwischenzeiten sind wir eingefangen, 
nicht eiseskälte und nicht frühlingshauch,
so unentschlossen lüftet sich der nebel
die giebel trinken kalten rauch.

nur zögernd streift dein blick die nassen wiesen,
der wald ist mürbe, hadert mit erinnerungen,
soll er sich brüsten, sonnelechzend sprießen,
zur unzeit süße säfte in die äste schießen,
um dann, beim nachfrost körperholz zu spalten,
wenn borke, rinde platzt und rauhe kräfte walten,
den eistod sterben, lebenslied verklungen.

so wate ich im wortgewässer schaler sinngestalten,
verhalten elend, kann mich nicht entfalten,
und bin erstarrt, verlächerlicht, in frühlinglichem wehen, 
denn, was soll hier gedeihen, was mag hier noch gehen?


copyright gabriele brunsch

Dienstag, 2. Oktober 2012

Endlichkeit


***

so wird es sein:

kein stern 
im fernen universum,
ganz einfach nur, 
im kleinen hier
ein wenig energie, 
mate-ri-al,
ein häufchen ETWAS,
asche, mag schon sein,
vielleicht auch erde
das wär fein,
dann hätten würmer 
oder winzigkleine 
orga-nismen
sich schon gelabt an dir,
und weit getragen
den fahlen, weichen leib. 
doch nicht zum zeitvertreib.

und bleibt da was?
bleibt denn die seele
dieses anfällige gebilde
aus leben, liebe, wut, 
aus freundlichkeit 
aus gram, aus leid und hass?
wo bleibt denn das?

hörst du den schrei, 
der durch das universum hallt....
und schallt und schallt
und hallt und schallt?

dort ist es kalt.
ein nichts ist dort
an jenem  ort
doch hier -
hier ruht sie
deine sanfte glut
so energiegeladen
das bist du...
komm, lass sie zu
die endlichkeit.

die bitternis,
die bitternis,
sie ist des menschen
psycho-riss...

***

Sonntag, 30. September 2012

Der Schreibtisch des Dichters (hervorgeholt)


“Der Schreibtisch ist der Ort, 

wo sich die Welt entscheidet.” (Günter Eich)

Der Satz in seiner Konsequenz 
hat nichts von Ruhe, von Beschaulichkeit,
er weist ganz zielgerichtet, weist nach außen,
vom kleinen, scheinbar unscheinbaren Innen
ins weite, unermesslich kalte Draußen.

Auf eine schlichte Weise ist er wahr.

(Er flüstert mir von Kriegen,
von Grausamkeit,
von Folter und von Tod.
Er flüstert mir von Bangigkeit,
von Zucht und Furcht,
von Bitterkeit und Not.)

...von den Ecken, den dunklen,
den Rückzugsgebieten,
Fluchtpunkten,
die einer ausleuchten möchte
mit seinem Feder/Kuli-Strich,
den Menschenzahlen,
die es zu tilgen/zu ergänzen gilt:
traf/trifft bisher ganz andere,
doch wann trifft es ... mich/dich?

...von Beschönigungen,
(wie auch immer)
die hergestellt werden müssen,
weil die wahren Zahlen
nicht ins Raster passen,
oder dieser eine Mensch,
diese eine Gruppe,
diese eine Gemeinschaft,
diese eine Rasse,
diese Farben nicht passen,
ihm nicht passen,
ihnen nicht passen,
nicht passen...

Dort, an diesem Tisch
sitzt einer,
gebisstragend/oder nicht,
mit Colegate-Zähne-Lächeln
auf den Lippen,
ohne/mit Toupet,
gestylt,
zeitmäßig gestählt/oder nicht,
Waschbrett/Wabbelbauch unter
dem gebügelten Hemd,
schön halt,
(weil Macht schön macht)
in jedem Fall mächtig,
perfide mächtig,
und hält den Stift in der Hand,
öffnet die Kladde,
liest und streicht ab.

Und für uns, die wir schreiben?
Was ist er, der Schreib-Tisch?
(wenn nicht das Papier auf dem Knie ist):
Zuflucht, die wir brauchen.

Was entscheiden wir,
da, zwischen Holz und Papier,
oder ist es Monitor und Keyboard,
oder Handy und Welt,
da an dem Tisch,
mit unserer Strich-Stimme -
oder Ton-Stimme …
in Versen?

2008 © ALLE RECHTE BEI GABRIELE BRUNSCH

Donnerstag, 13. September 2012

AHNUNG

Ahnung

Die sonne brennt durchs kühle blattgewirr,
vom morgentau noch feucht und glanzumspielt,
ein herbst hält einzug – wie ich ihn gefühlt,
vor jahr und tag, so steht er jetzt vor mir.

Ins satte blau mischt wind den weißen strich,
wattegeplustert treibt er durch die zweige,
ins grün mischt fadendünnes gelbes sich,
es ist wie’s ist, das jahr es geht zur neige.

Das kleine lächeln, das der greis mir schickt,
es ist versiegt, im letzten atemholen,
der tod griff hastig und verstohlen,
ein lebensstrang entwurzelt und geknickt.

Schon wieder, denk ich, war’s schon wieder zeit?
des todes schleppe streift die bunte welt
und lässt erbleichen, wie es ihm gefällt,
zieht drüber hin, sein mantel bauscht sich weit.

Es gruselt mich, ich hülle mich in schweigen,
nur dunkle kummersilben fallen auf die zeilen.

Ich zerre grün mit warmem gold in meine tage,
weil ich das fahle ahnen nicht ertrage.

 Kommt, bitte, lacht! ich öffne alle türen,
will freude, lust und heiterkeit erspüren.

Ein zwitschern wildgemischt das dringt herein,
mein garten, der will noch nicht herbstlich sein.

© Gabriele Brunsch

Sonntag, 26. August 2012

Jahreszeitenliebe und Promiskuität

Bei der Durchforstung meiner Dateien fand ich dieses Gedicht von 2008
 
Jahreszeitenliebe und Promiskuität

Er wechselt seine Liebe wie die Jahreszeiten,
die Glut verfängt sich wild im Duft der Schönen, einen,
dann gleitet sie auf diese und auf jene
will emsig mit der Vierten sich vereinen.
*
Der wilde Herbst erstrebt die Ruhe,
Die reiche Fülle wärmt die Stunden ihm, die kalten,
den Frühling schmückt die reife Schöne,
die Hitze will ein kühles Wesen halten.

*
Sich einzig nur geliebt, verehrt zu wissen,
schmachtend verströmt sich ihm ein jedes süße Kind.
Auch diese strahlt im Glanze seiner Augen,
spürt nicht die Eile und ist seltsam blind.
*
Verstrickt im Rausche der Verschwendung

sucht er den neuen Kick, nur noch dies eine Mal,
sein Vorsatz bleibt auch jetzt Verblendung,
Gewohnheit wird ihm bald zur Qual.

*
Nach Jahr und Tag, hat er sie alle durch,
ist leergepumpt und müde, gleichsam satt ermattet,
sein Sehnen reichlich abgestumpft,
von Langeweile weidlich überschattet.
*
Und um sich dann der Leere zu erwehren,
beginnt er schnell die Frauen, alle Schönen, zu verachten,
belächelt echte Liebe überheblich,
verhöhnt das allgemeine Schmachten.
*
So flieht er hin zu Inhalten des Geistes,

die findet er bei Politik, Physik, Philosophie und Kunst,
erstrebt Bewusstsein und Erkenntnis,
weitab von körperlichem Dunst.
*
Im Wandel der Begehrlichkeiten,

sieht er sich reich beschenkt, er ist ein reifer Greis,
ein wirklich wahrer, weiser Kenner,
mit Durchblick und der alles weiß.
*
Sieht er die Paare mit vereintem Schritt,

sonntäglich ihre Kreise ziehn im Jahreszeitentakt,
gibt er sich weisen Aphorismen hin,
doch tief im Innern ist er nackt.

*
*
2008 © Gabriele Brunsch
*
Danke noch einmal Paul Spinger 
für seine Inspiration zu diesem Gedicht

Sonntag, 19. August 2012

NACHTGEDICHT

***



ich bin die dunkle nacht, mein kind.
was dämmerung an fahlem grau
auf stadt und land hat abgelegt,
das färbe ich mit tiefem schwarz.
der stern hat keine eile.
in finsternis sind alle farben blind.
der stern braucht eine weile,
 ein großer runder tropfen harz
der suchend, tastend sich bewegt,
 am himmel oben, schau, nur schau,
das ist der rote mond, mein kind.

© gabriele brunsch

Sonntag, 8. Juli 2012

ZEIT GEDICHT

.

...während ich den zeitmangel als last spüre,
von ihm gequetscht, zerdrückt, geknechtet werde, 
ist's so, als fräße mir die zeit die zeit vom leib.
ein monster, untier, dämon, giert und geifert,
stößt atemlos mich in gedankenleere.


nicht weiß, nicht schwarz umgibt mich's nichts.


so sitze ich, ermattet, ausgehöhlt und endlos müde. 


nicht sind da zeichen jetzt, 
nicht lausche ich hinein in diesen raum,
nichts lässt mich tasten, nichts verbinden,
nichts lächelt, nichts lässt mich verschwinden.
das nichts beginnt mich einzusaugen,
und hat mich längst schon ausgekotzt,
drückt bleiern schlaf auf meine augen.


 hab ich dem ansturm nicht getrotzt?
hab meiner zeit den zahn gezeigt,
in den sie sich so hart verbiss,
mich tränenreich ins nichts ausließ?


in zeitnot heftig eingezwängt,
kann selbst der traum mich nicht entlasten,
denn schlaf ist schon ein kleiner tod,
und raubt mir rasend die sekunden,
raubt mir die welt, die lichterstunden,
die wellenströme, die mich reich erfüllen,
die bilderwelten, die den hunger stillen,
wie klang und duft, wie frühlingsluft,
getränkt von worten.


war mir die welt
nicht immer reich 
war sie mir nicht
die amme, die mich trug und nährte
mich sanft ermahnend
aus dem dunkel zerrte
mit ihren
stahlgrundworten,
ohne wenn und aber,
mit ihren
stahlgrundklängen,
orchestral und breit,
mit ihren
stahlgrundbildern,
stahlgrunddüften,
stahlgrundfesten zeitgedanken.




hätte ich hass zum wappnen,
doch den hab ich nicht.
fühlte ich neid und gier,
ich lebte anders, sicherlich.

hätte ich stolz,
kennte ich diese ängste nicht.
so sitz ich noch lebendig,
angenagt von zeit
zerschlissen fast,
doch kampfbereit, 
denn nächtlich stählte mich das wort,
stählt' der gedanke,
stählte mich das licht
...

verzeiht
...
es stählte mich 
...
die sucht
...
verzeiht
...
es stählte sehn-sucht mich
...
es stählte suchend mich
...
die liebe
...
...
zum 
...
gedicht


.

Samstag, 12. Mai 2012

l i e b e LIEBE l i e b e

.
 
 
geliebtes du
kein haltepunkt
 
verliebtes ich
endlos verloren
 
dein lieben
nicht spiegelgleich
 
ich suche
du findest
 
du suchst nicht
finde ich?
.

Dienstag, 1. Mai 2012

.
ein liebes-trank entfacht ein höllenfeuer
wenn seele-köper-harmonien uneins
 flüchten
denn zuversicht und hoffnung wiegen teuer
wo süchte toben, eitelkeiten stechen,
und zwang und nötigung die bande brechen.

.

fwg-ak

Donnerstag, 26. April 2012

BINDEZAUBER

*
kannst du es fühlen, liebster mein,
im sturm der wilden regungen
peitscht bitterkeit den eitlen zorn
mit geiler macht hervor,
lässt liebesbänder
fadenscheinig brechen.
zerfranst das tuch,
das unsre liebe deckte,
zerfleddert schon das buch,
das unsre guten stunden schrieb.

ich will mit einem zauberspruch
all diese zweifel binden
und spielen mit den spitzen klingen,
die unsre launen rachesüchtig wetzten
und lächend tief in die vergebung tauchen,
in meine und in deine auch.
dort dock ich an, nur ein versuch!
(in alten zeiten lass uns wiederfinden
wonach wir einst so lustbeflissen lechzten):
"komm liebe machen,
wie es unser brauch ..."

doch, ach, nichts war’s,
die macht des zaubers ist verpufft,
vergebung, was ein lächerliches streben,
einseitig, ach, wer sollt hier was vergeben?
das, was verzweifelt ich gesucht,
wird nimmer sich ergeben.
die liebe – ist ein wort,
nichts als ein wort,
ein wort.

der frühling fächelt frisches leben,
im morgenwind ein vogel ruft,
lausche hinaus, du kennst den ort.

*






Freitag, 2. Dezember 2011

Textauszug der Tragödie "Dido und Aeneas" für mein Papiertheater, an der ich gerade arbeite....

mein vorhaben ist, die ganze tragödie vom niedergang trojas, über aeneas' irrfahrt und didos bau von karthago, bis hin zum tragischen ende des stücks,  in zeilen mit exakt 15 silben  zu verfassen. dadurch wird eine besondere spannung aufgebaut... es klingt altertümlich ohne zu kompliziert im sprachlichen duktus zu sein (hoffe ich), auf reim verzichte, es sei denn, es zwingt sich mir einer auf. 



das ist etwa der schluss des ersten drittels, der augenblick, als Aeneas sich zum ersten mal, mit seinem sohn an seiner seite, Dido in ihrem palastsaal vorstellt, und sie beginnt sich unwillentlich zu verlieben....



Als sie den Knaben sieht, spürt sie ein sonderbares Rauschen,

ihr Blut wallt auf, und Tränen füllen ihre großen Augen,
sie spürt am Halse eine Schlaufe, die ihr den Atem nimmt.

Aeneas kniet vor ihr, erzählt von seinen Fahrten, dem Ziel:

„Mein Auftrag ist, Italien zu finden, so soll es sein.
Bevor die Winterstürme unser weites Meer durchbrausen
muss ich die Wellenfahrt erneut beginnen!“...“Doch Ruhe jetzt!“
fällt Dido ihm ins Wort, „Kaum angekommen, wollt Ihr reisen?
Am heut’gen Tag lasst uns erst die Begegnung festlich feiern!“

Und als sie aufschaut treffen sich die Blicke, Aug in Auge,

und wieder spürt sie wie ihr Atem stockt, ihr Herz pocht schneller.

In ihrem Kopf beginnen die Gedanken jetzt zu taumeln,

auf ihrer Haut ist Kälte, Hitze, sanftes Kribbeln spürbar,
sie hebt die Schultern, reckt den Kopf nach oben, nimmt Haltung ein,
versucht zu schützen sich, den schwachen Eindruck zu verschleiern.


.
...dies ist ein entwurf, ich arbeite täglich daran, somit wurden auch hier im vorgelegten ausschnitt schon mehrfach korrekturen vorgenommen. es ist nichts als eine arbeitsgrundlage, also nichts endgültiges!
.

Montag, 10. Oktober 2011

Gemälde von Manfred Evertz - fama - das gerücht



gemälde: Manfred Evertz 2011
________________________

.



fama – das gerücht

pellt dir die haut vom leibe

reißt dich in stücke
.
nichts ist heilig

sie geifern dir hinterher

mit feuchten lippen

.
die augen glänzen

speit ihr mund worte um wort

heraus wie gewürm

.
lüstern ihr sehen

die gier ist nicht zu stillen

bis du zerbrochen

.
wahrheit ertasten?

sie sonnen sich in der not

sind taub für den schmerz

.
komm, hör mir jetzt zu

kind, nimm dich bei deiner hand,

geh aus dem elend...

.
entziehe dich schnell,

so schnell du nur kannst, eile,

und atme langsam...
.
dann, richte dich auf,

übe den stolzesten blick,

strafe sie lügen...

.
im schönsten kleide

den kopf erhoben gehst du

gelassen lächelnd...
.
dann wirst du siegen

wenn am panzer deiner macht

ihre gier zerschellt....




.