...das ist, was ist...
wir sind getäuscht,
und kotzen Zweifel,
und, ach so schlimm
ist uns der Schmerz
an der Erkenntnis dieses Lebens,
weil's so ist, wie's ist...
Und trotzdem, gut ist's,
dass es so ist, dass,
wer auch immer es war,
uns ein anderes "Weltbild"
vorgegaukelt...
ihnen verzeih ich ganz,
denn sie wünschten mir,
das meine wäre anders
als das ihre,
sie taten ihr Bestes um
mich glauben zu machen
die Welt, sie wäre gut,
im eigentlichen Sinn,
ohne Fehl, makellos, wunderbar,
da seien nur so ein paar Stolpersteine,
die auf ihrem Weg lagen,
dem historischen Ablauf
des Weltgeschehens geschuldet,
denn, wenn das nicht gewesen wäre,
dann wäre doch alles
anders – vielleicht gut –
vielleicht sogar wunderbar gewesen,
nicht wahr?
Nun jammern wir rum,
am Rande der Erkenntnis,
dass unsere Lebenssaumspitzen
im Dreck zerfleddern
und es ist uns so schlimm...
Das ist das Elend,
von dem sie alle wussten,
doch sie versuchten
es mit ihrem Wünschen
hinauszuzögern,
sie hoben uns hinweg,
für kurze Zeit,
hinweg über alles Elend,
mit ihrem Hoffen...
Ich liebe sie dafür,
denn damals war für mich
die Welt so rein und schön,
ein Land aus wahr und gut...
ein Land aus Keim und Frucht
und Wasser und Licht...
Drum liebe ich sie dafür,
dass sie mich glauben machten,
für eine so kurze Zeit, dass alles so sei...
Mal anders gedacht:
Hätten sie mich nicht
in diese warme Seligkeit gebettet,
für diese kurze Zeit,
dann wäre ich wirklich betrogen,
hätte die Täuschung
vielleicht nicht als
Täuschung gesehen,
sondern wäre
im Dreck gelaufen,
als wäre es ein Teil von mir,
hätte die Lügen am Leib getragen,
wie bunte Fetzen,
mich mit ihnen geschmückt,
ohne den Unterschied zu kennen,
hätte von Reinheit nichts gewusst,
vielleicht,
nichts von Hoffnung und...
neuerlicher Erneuerung...
So zehre ich
in all meiner Verzweiflung,
in all meinem Bangen,
in all meinem Begehren
nach Formulierungen
für den Schmerz
der Erkenntnis,
die Wut und den Frust,
noch immer vom
seligen Bett
ihrer guten Wünsche...
2008 © ALLE RECHTE BEI GABRIELE BRUNSCH
alle gedichte, fotos, bilder und texte auf diesem blog sind von gabriele brunsch / LadyArt erstellt, andere autoren sind besonders genannt. nicht nur das gesetzliche,auch das aus moralischen gründen zu respektierende urheberrecht gilt hier – obgleich nur der zufall das vergehen aufdecken könnte,aber ist die welt nicht voller zufälle -
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Sonntag, 5. Juni 2011
Mittwoch, 1. Juni 2011
...und da erinnerte ich mich....
...dass ich vor einigen monaten in einem sehr schönen blog las und mich dabei an meine kindheit erinnerte... miros worte waren es, die mich nachsuchen ließen, und ich fand sie auf BRUNIS seiten im gästebuch, meine erinnerungen, die ich im anklang an brunis biographie in kurzform aufschrieb...
...dies waren sehr angenehme minuten, hier auf deinen seiten, und ich habe mit freude die positiven sichten auf die kleinen dinge dieser welt (schnipsel) und die großen (literatur) wahrgenommen.
die biographie hatte, was die kinderliteratur der nachkriegszeit, mit meiner eigenen große überschneidungen, pippi (ich konnte die bücher auswendig), Märchen von Grimm, Anderson, wunderbar illustriert, gedichtbände, warum auch immer meine mutter sie besaß, sie las mir täglich daraus vor, auch später noch, als ich schon längst selbst lesen konnte… so war über jede stimmung über jeden tag ein gedicht gespannt, das mich mit sich trug und ich konnte ihre heilsame kraft immer wieder hervorholen, wenn ich später als teenie oder junge frau in seelisch depressivem zustand war, dann gelang mir durch das meditative hineintauchen in die gedichte meiner kindheit mich gleichsam aus der situation herauszuheben.
du hast mich daran erinnert, und dafür danke ich dir.
meine zarte mutter (154cm), die aus oberschlesien mit zwei ihr anvertrauten kleinen Kindern (r. und m. v. Braunmühl) von dort nach Esslingen geflohen war und nach dem krieg von dort (1947) nach kärnten zu meinem vater allein über die grenze nächtens gelaufen war, sich immer wieder in heuschobern versteckt, per anhalter, auf traktoren, mit dem bus etc. - sie steckte meine eiskalte unterwäsche am morgen immer zu mir ins bett, damit ich sie anwärmte bevor ich sie anziehen musste, das weckte mich schnell auf, ich durfte aber wach noch diese anwärmzeit (ich habe keine ahnung, wie lang das wirklich dauerte) immer noch im bett bleiben, und konnte in den büchern schmökern, die meine mutter mir auf die bettdecke legte. es war so kalt, dass man den atemhauch sah, aber ich hörte dann, wie meine mutter in der küche sich um das feuer im herd kümmerte…
ach, es war schön mich wieder zu erinnern, gleich werde ich eine “auf dem stein sitzend” kurzgeschichte schreiben, da ich mich an eine begebenheit erinnerte, die wichtig ist.
ich habe winzige korrekturen vorgenommen
...dies waren sehr angenehme minuten, hier auf deinen seiten, und ich habe mit freude die positiven sichten auf die kleinen dinge dieser welt (schnipsel) und die großen (literatur) wahrgenommen.
die biographie hatte, was die kinderliteratur der nachkriegszeit, mit meiner eigenen große überschneidungen, pippi (ich konnte die bücher auswendig), Märchen von Grimm, Anderson, wunderbar illustriert, gedichtbände, warum auch immer meine mutter sie besaß, sie las mir täglich daraus vor, auch später noch, als ich schon längst selbst lesen konnte… so war über jede stimmung über jeden tag ein gedicht gespannt, das mich mit sich trug und ich konnte ihre heilsame kraft immer wieder hervorholen, wenn ich später als teenie oder junge frau in seelisch depressivem zustand war, dann gelang mir durch das meditative hineintauchen in die gedichte meiner kindheit mich gleichsam aus der situation herauszuheben.
du hast mich daran erinnert, und dafür danke ich dir.
meine zarte mutter (154cm), die aus oberschlesien mit zwei ihr anvertrauten kleinen Kindern (r. und m. v. Braunmühl) von dort nach Esslingen geflohen war und nach dem krieg von dort (1947) nach kärnten zu meinem vater allein über die grenze nächtens gelaufen war, sich immer wieder in heuschobern versteckt, per anhalter, auf traktoren, mit dem bus etc. - sie steckte meine eiskalte unterwäsche am morgen immer zu mir ins bett, damit ich sie anwärmte bevor ich sie anziehen musste, das weckte mich schnell auf, ich durfte aber wach noch diese anwärmzeit (ich habe keine ahnung, wie lang das wirklich dauerte) immer noch im bett bleiben, und konnte in den büchern schmökern, die meine mutter mir auf die bettdecke legte. es war so kalt, dass man den atemhauch sah, aber ich hörte dann, wie meine mutter in der küche sich um das feuer im herd kümmerte…
ach, es war schön mich wieder zu erinnern, gleich werde ich eine “auf dem stein sitzend” kurzgeschichte schreiben, da ich mich an eine begebenheit erinnerte, die wichtig ist.
ich habe winzige korrekturen vorgenommen
...zeiten überbrücken...
...eine verstrickung von poesie und gedanken, lichthell und trist, die süße, die in der hoffnung liegt, die düsternis, die in der hoffnungslosigkeit scheint...
ich danke miro für sein "zurück"gedicht auf mein "hinzu"gedicht...
du neigst dich…
du neigst dich…
(an gabriele)
an dunklen tagen in selbstzweifeln verharrend
suchst du die antwort: ob die natur seit alters hat
irgendwelche gebrechen eingepflanzt oder nach
rechts und links und über das ganze hin, ihre
schlimme gewöhnung ausgeströmt…
ob du erstickend fast im schatten eines baums,
das erinnerungslied von kindheitszeit – die mutter
abends immer sang – doch wieder hören kannst…
die winde brausen… die mauern stehen… komm in
meine brust! komm, kehre zu mir zurück! denk nach:
ganz mit müh und not, hier auf der erde überrannt,
der mensch hat keinen hafen – so ist das eben –
und die zeit kein ufer, keine eile… sie fließt wieder
und immer wieder – naturgegeben, und du und ich
und alle, stets von gut und bös getrieben, vergehen
im strom…
© by Miroslav B. Dušanić
...entkommen
...entkommen
(für miroslav dušanić)
(für miroslav dušanić)
ich höre sie,
die schritte der zeit,
auf den stiegen,
manchmal lauter,
ein andermal leiser...
gemächlich-langsam,
humpelnd-träge,
leichtfüßig-springend,
dann sind es tänzelnde hopser,
die mich narren –
.
.
sie bringen mir spiegel,
zersplitterte scherben
vergangenheitsfetzen
filmschnittsequenzen
grell-düster, wild-durchpulst,
hastig wechselnd – bildsplitter
von den gelebten stunden.
.
.
die lege ich mir auf den leib
und spüre ihre kälte aus eis
auf meiner weißen haut.
dann öffne ich das fenster...
und im blau des himmels
bin ich final
erinnerungsleer,
ein wesen aus licht…
.
.
9 Kommentare:
- Henrique Pimenta hat gesagt…
- J'ai remarqué une séquence de film. Et j'ai aimé ...
- Januar 26, 2011
- Rachel hat gesagt…
- Du Liebe, so ähnlich ging es in mir vor...diese Gedanken auf Zukünftiges, Vergangenes, dieses Wie und Warum...und dieses Wo dann sein... wundervoll umgesetztes, eigenes *Ich* herzlich, Rachel
- Januar 26, 2011
- LadyArt hat gesagt…
- ...voilà, cher henrique, j'ai raconté une petite histoire sombre...commen le temps me suit.... sur un grand escalier des pas différents... merci de ta visite...
- Januar 26, 2011
- LadyArt hat gesagt…
- dein besuch und deine worte ehren mich, liebe rachel, danke...
- Januar 26, 2011
- bruni kantz hat gesagt…
- eine Lichtgestalt werden, ein guter Gedanke, den es sich zu denken lohnt. LG von Bruni
- Januar 27, 2011
- ahora hat gesagt…
- final ein Wesen aus Licht - und alles war nur Traum. Liebe Grüße Barbara
- Januar 28, 2011
- LadyArt hat gesagt…
- ...ach, ich danke für deinen besuch, liebe bruni, ja, ein wesen aus licht... das ist doch eine wilde vorstellung... oder????
- Januar 28, 2011
- LadyArt hat gesagt…
- liebe barbara, ich dachte eigentlich an den tod, bei dem wird man hoffentlich aller erinnerungen entledigt, damit man dann, hell und gereinigt irgendwohin ins niemandsland entschweben kann... erinnerungsleer, und leicht wie das licht... eigentlich sollte man seine eigenen gedichte nicht interpretieren, und auch das letzte geheimnis nicht verraten...
- Januar 28, 2011
- veredit hat gesagt…
- eine wundervolle versöhnliche vorstellung, diese wesen aus licht ... dein gedicht gefällt mir sehr, habe ich doch schon immer, wirklich immer eine große schwäche für treppen gehabt und das leben und seine stationen in schritten, ihrem tempo, klang und temperament zu vergleichen ist grandios und berührend zugleich .. ich liebe diese (deine ♥) sicht auf die welt, nicht zuletzt, da sie meiner eigenen so nahe ist. dieses annehmen des tods als teil des lebens, ohne bedrohlichkeit ... ist einfach wundervoll. völlig begeistert isabella
- Mai 31, 2011
Samstag, 28. Mai 2011
WORT-LOS
.
.
...was wird, wenn die sonne
verdunkelt und die tage
am nachmittag kriechen
in eine lange düsternis hinein,
die kein zwielicht kennt,
was, wenn die nebel
mit ihren weiß-grauen fingern
wabernd nach uns greifen
- und wir im nebelmaul,
das unsre seelenleiber frisst,
verschwinden...
verdickte erinnerungsfetzen
der vergangenheiten,
nicht actor, stuntman, schattenfigur,
brutal gehetzt durch diese clips,
scharlatanerie des traums,
der wut des wahns,
des geistesblitz,
ausgeleuchtet und verletzt,
bleibt immer nur das bild der not
kalt-weiß-schwarz
und rot blutrot...
die zeit reißt an uns,
wie ein gieriges tier,
ent-lebt uns, stück für stück,
und wir halten unsere würde
vor der brust zusammen
wie die falten eines mantels,
doch da ist kein mantel,
nur die nackte lederhaut,
so hilflos,
ist der versuch
nicht einzuknicken
vor der übermacht des angriffs...
2009
will noch ergänzen, dass dieses Gedicht ein Hinzugedicht für Miroslav Dusanic Gedicht "WORT-LOS" war, das ich auf seine Seite postete. siehe dort:
http://miroslavdusaniclyrik.blogspot.de/2009/09/wort-los-der-henker-schleift-sein.html
an dunklen tagen
in selbstzweifeln verharrend
suchst du die antwort
.in selbstzweifeln verharrend
suchst du die antwort
.
...was wird, wenn die sonne
verdunkelt und die tage
am nachmittag kriechen
in eine lange düsternis hinein,
die kein zwielicht kennt,
was, wenn die nebel
mit ihren weiß-grauen fingern
wabernd nach uns greifen
- und wir im nebelmaul,
das unsre seelenleiber frisst,
verschwinden...
verdickte erinnerungsfetzen
der vergangenheiten,
nicht actor, stuntman, schattenfigur,
brutal gehetzt durch diese clips,
scharlatanerie des traums,
der wut des wahns,
des geistesblitz,
ausgeleuchtet und verletzt,
bleibt immer nur das bild der not
kalt-weiß-schwarz
und rot blutrot...
die zeit reißt an uns,
wie ein gieriges tier,
ent-lebt uns, stück für stück,
und wir halten unsere würde
vor der brust zusammen
wie die falten eines mantels,
doch da ist kein mantel,
nur die nackte lederhaut,
so hilflos,
ist der versuch
nicht einzuknicken
vor der übermacht des angriffs...
2009
will noch ergänzen, dass dieses Gedicht ein Hinzugedicht für Miroslav Dusanic Gedicht "WORT-LOS" war, das ich auf seine Seite postete. siehe dort:
http://miroslavdusaniclyrik.blogspot.de/2009/09/wort-los-der-henker-schleift-sein.html
Samstag, 14. Mai 2011
ZEIT
Noch einmal, mein Gedicht über
die Zeit... aus gegebenem
...die zeit,
die niemand
erfassen kann,
die
über
bei
mit
in
uns vergeht,
die uns ins jetzt
einschnürt,
aus der vergangenheit
schält,
in die zukunft schubbst,
ist immer anfang
und ende,
gleichzeitig das eine
und auch das andere,
und von beidem
immer alles,
ganz intensiv,
morgen und abend
hell und dunkel
jugend und alter
erwachen und schlafen
kommen und gehen
tod und geburt
...zumindest dort
wo leben ist,
wo etwas atmet,
dort,
auf unserer erde,
...
noch
____________________________
SUMUZE übertrug mein Gedicht
die Zeit... aus gegebenem
Anlass...
die niemand
erfassen kann,
die
über
bei
mit
in
uns vergeht,
die uns ins jetzt
einschnürt,
aus der vergangenheit
schält,
in die zukunft schubbst,
ist immer anfang
und ende,
gleichzeitig das eine
und auch das andere,
und von beidem
immer alles,
ganz intensiv,
morgen und abend
hell und dunkel
jugend und alter
erwachen und schlafen
kommen und gehen
tod und geburt
...zumindest dort
wo leben ist,
wo etwas atmet,
dort,
auf unserer erde,
...
noch
____________________________
SUMUZE übertrug mein Gedicht
ins Englische...
...time which
no-one
is apt to grasp
dying away
above
besides
with and
within
us
narrowing us
down into nowadays
scraping us
off our past
tossing us into the future
always being
both start and end
the one
just like the other
and of both
the two of all
dead strong
morn' and eve
bright and dark
young and old
awaking and going to sleep
come and go
death and birth
... at least where
there is life
still breathing
there
upon our earth
...
yet
no-one
is apt to grasp
dying away
above
besides
with and
within
us
narrowing us
down into nowadays
scraping us
off our past
tossing us into the future
always being
both start and end
the one
just like the other
and of both
the two of all
dead strong
morn' and eve
bright and dark
young and old
awaking and going to sleep
come and go
death and birth
... at least where
there is life
still breathing
there
upon our earth
...
yet
Sonntag, 1. Mai 2011
...kennst du...? für LEO WEINMANN
kennst du die totenstille, die einkehrt,
wenn die eisenbahn in der ferne, ein aufgelöster punkt,
mit dem horizont verschmilzt?
kennst du die totenstille, die einkehrt,
wenn der festtagsumzug mit der marschmusik
und dem ramtamtam von der gasse ausgespuckt wird?
kennst du die totenstille, die einkehrt,
wenn eisenbahn und marschmusik
nichts als blasse fetzten erinnerung sind,
und dein blick eigenartig stur
durch die schall-gedämpften scheiben schaut?
kennst du die totenstille, die einkehrt,
wenn du tag und nacht
als dumpfe vernebelte schwaden aufsaugst
und den duft ihrer undurchsichtigkeit schlürfst
und ihrer farblosigkeit nachlauschst,
die in dich hineinsackt,
mit jedem atemzug tiefer?
kennst du die totenstille, die einkehrt,
wenn dich der tod in die arme nimmt
und dich ins licht trägt?
dann wärmt dich ein glücksgefühl.
so leicht bist du, wie von flügeln getragen,
spürst das lächeln, die zärtlichkeit,
und gibst dich ihm hin,
voll von vertrauen,
denn wo er dich hinträgt,
ist kein schmerz...
...in dieser nacht ist mein nachbar LEO WEINMANN gestorben, hat sterben dürfen, erlöst von seinem unendlichen leid, das er mit würde und einer schier unglaublichen größe und haltung ertrug.
diese gedichte, das von miro dusanic und meines hier umfassen das problem des todes und sterbens, jedes auf andere weise.
VERFÜHRUNG © by Miroslav B. Dušanić
...und dann, wenn Stille herrscht, ist endlich alles gut!
Gabriele Brunsch
Gabriele Brunsch
Zwischen den Regentropfen
wenn mehrere Winde
über die Gräber hinweg wehen
und Dämonen flüsternd
die Luft durchtanzen
fliegen die Vögel zum Himmel
Und du spürst weinend
einen Kuss auf den Lippen
so jeder Blick in die Ferne
und jedes Nichtsagen
ganz für dich allein
Der Tod schleift die Rasierklinge
jenseits der Wolke
und streift in den Mauern
aus Kälte und Eis leis
und schlicht deine Kehle
siehe lyrikblog:
© by Miroslav B. Dušanić
Mittwoch, 20. April 2011
frühlingsflair
im rahmen meiner jahreszeit
bin ich von rauh nach mild verschoben
das eingegipste ich
hab frühlinglich ich jetzt gesprengt,
das flair der dürren winterzeit
wird zart mit grünem flor verwoben,
ein blütenweiß das kahl verdrängt...
entfesselt fühle ich mich neu
so jung und rein und seltsam scheu,
entrückt, der welt enthoben....
bin ich von rauh nach mild verschoben
das eingegipste ich
hab frühlinglich ich jetzt gesprengt,
das flair der dürren winterzeit
wird zart mit grünem flor verwoben,
ein blütenweiß das kahl verdrängt...
entfesselt fühle ich mich neu
so jung und rein und seltsam scheu,
entrückt, der welt enthoben....
Labels:haiku, non-haiku
depression,
frühblüher,
frühling,
gedicht,
lyrik,
wald
Dienstag, 12. April 2011
.
für die kraft der neuen erinnerung
suche ich das vergessen...
für die tiefe des blauen himmels
lösche ich das anthrazit...
für die rotation der gefühle
öffne ich meine hände...
für die nähe der milchstraße
schließe ich meine augen...
für den rausch der liebe
spiegle ich dein lächeln...
.
Labels:haiku, non-haiku
fünf-worte-gedicht,
gedicht ohne titel,
l'art pour l'art,
lyrik
Mittwoch, 6. April 2011
PERGE - bei antalya.... zeilen aus 17 silben...
der tag ist eisig, auf den spitzen des nahen gebirges liegt schnee.
das grün der landschaft ist frühlingsgrün, und grüner im frostigen märz,
beschwerlich findet mein fuß zwischen steinen den tritt um zu gehen,
so weitläufig streckt sich die stadt, geschunden von sonne und winden,
verloren im nichts, niemandsland, fern jeder beachtung, ausgesetzt.
so stolper ich über sprechende steine, allein und erfroren,
und lausch ihrer stimme, lausche und bin fasziniert, zeitklangfarben...
.
Montag, 28. März 2011
antike und moderne
.
...sieh nur, wie sich die zeiten ändern, antike und moderne, beide abgewrackt. die eine hielt tausend jahre und liegt jetzt nach weiteren 1500 jahren für touristen notdürftig wieder hergestellt, zaunumgürtet und gegen eintritt zu besichtigen, im land herum.
die andere hielt nicht einmal ein menschenleben und steht jetzt da am strand, durchfressen vom salzwind, der vom meer her durch sie hindurchfährt und an ihrer substanz knabbert, sommers wie winters, und ihr die ecken und kanten abfrisst, weil niemand da ist, der sie verteidigt. sie ist es ja gar nicht wert, verteidigt zu werden, war sie doch von anfang an einfach nur für den kurzen augenblick schneller nutzbarkeit geplant. die moderne hat kein vertrauen in die zeit, in die der zukunft sowieso nicht und in die der gegenwart nur so lange, wie sie gerade andauert und dabei oberflächliche glückseligkeit verspricht...
.
Freitag, 25. März 2011
bekenntnis
.
.
hör zu mein kind, ich lieb dich, lieb dich wie du bist.
nicht immer liebt ich alle, die ich vorher kannte.
da waren diese, jene, leichthin anverwandte,
die mocht ich gar nicht, konnt’ ich nicht verstehn...
hör zu mein kind, ich lieb dich, lieb dich inniglich,
ich lieb dich mehr, als viele, die ich vor dir kannte,
da waren manche, sonderbar bekannte,
die dir verwandt sind. kannst du das verstehn?
im grellen neonlicht der schrillen zeit
verliert der augenblick von damals seinen sinn,
auch wenn das geifern heulend um sich greift,
steh ich im zentrum, weiß noch wer ich bin...
matt glänzend wirkt der stoff der möglichkeiten,
erinnerung und sehnsucht - kett und schuss -
aus dem gewebe zupf ich sachte schwarze fäden,
weil ich das kleid doch täglich tragen muss. .
Dienstag, 22. März 2011
eisiger frühlingstag in antalya
...klar und eisig ist die luft - menschenleer der strand, die promenade...
zwischen einigen schon geöffneten und anderen noch an den folgen des winters und der vernachlässigung leidenden cafés steht eine ruine, der man nicht ansehen kann, ob sie jemals ein fertiges gebäude war, mit emsigem sommerbetrieb, für die strandbesucher, die lächelnden, die sonnesuchenden, anwohner oder von fern herangereisten, so wie ich...
ich spaziere auf ihr herum und bleibe lange stehen und suche den blick durch die unterschiedlichen durchblicke, die mir die mauerreste bieten, hinaus auf das meer.
...in der ferne verschwimmt die gigantische stadt zu einem strich, ein kalksteinfelsen, aber es ist eine pulsierende metropole, in welcher tradition und moderne heftig aufeinander prallen.... love... wie gelassen liegt der schriftzug des grafitto auf der verwitterten wand - waghalsig muss der sprayer gehangen haben, irgendwie zwischen brücke und abgrund um sich hier zu verewigen mit seinem sinnvollen wort: love -
...wie wertvollste edelsteine liegen sie da, und ein jeder ist der schönste und ein juwel für mich, glänzend-schimmernd, für den augenblick - bevor ich fröstelnd auf einer café-terrasse als einziger gast meinen tee trinke, und mein gesicht zur sonne drehe, um, geschützt, in die jacke gepackt und im windschatten eines segeltuchs, ein wenig wärme zu sammeln...
rosenmontag 2011
Montag, 21. März 2011
kernspaltung
.
in der geborgenheit von
kleinen friedenszeiten
entschlüpfte ihren klugen hirnen
auf basis langgeschöpften wissens
die kenntnis, dass man energie,
die größte aller zeiten,
gewinnen kann.
spalte die kerne der atome
von uran.
welch großer wurf.
welch wunderbar geschenk.
geschenk des himmels. wow.
so strahlend schön,
schön wie die sonne selbst,
voll hellster helle, heller als das licht,
und strahlender, so strahlend
wie die größte kraft des alls....
...und während diese kraft
wie ein vermächtnis planvoll
und ideenreich
die besten hirne tränkt,
die besten hirne tränkt,
wird irgendwo
vereint im machtverbund
vereint im machtverbund
pandoras teufelstopf
erneut der welt geschenkt....
jetzt kommen gier
und hunger nach der macht,
verheeren schlimmer als armeen
länder, inseln, wüsten, meere.
sie schlagen ein kometengleich.
und während hier in frieden
die strahlen kranke heilen,
und licht und energie
die nacht zum tage
umgestalten,
sterben sie anderorts
gleich wie die fliegen weg,
und werden siech.
empfindlich
ist der
mensch,
schmutzig missbraucht...
schütten sie asche auf ihr haupt
um sich zu läutern von der schuld?
scheuern sie ihre knie wund
die sünde rauszubluten?
die macher wähnen sich in sicherheit,
von einem unsichtbaren,
zaubrisch dichten schild geschützt.
doch nein,
die strahlen werden erst
in aller ruh von ihrem leib,
der innenhaut,
die feinsten spuren essen,
danach wird ihnen
nach und nach
die seele weggefressen....
.
Labels:haiku, non-haiku
fünf-worte-gedicht,
nuclear research,
physik,
politisches gedicht
Freitag, 18. März 2011
venedig im frühen märz II
wie seide spiegeln wellen sich auf stein
es schält sich aus dem winterschlaf ein baum
der schritte schlurfen ist ein blasser ton
am brückenkopf die katze sitzt allein
schon schwappt der gondel welle an das tor
touristen wickeln sich in ihren schal
ein maskenrest aus plastik liegt im dreck
sein mund ein stummer schrei voll qual
im qualm des alten ofens eingeräuchert
kniet still der alte, seine hände beben,
in eisigkalten wänden eingekerkert
die flamme lässt sich nicht beleben
der scheintraum hält die wasserstadt
im irrealen daseinszwang gefangen
so focussiert im nebel schreit die welt
und liebeshungrig giert sie nach verlangen...
Sonntag, 13. März 2011
venedig im frühen märz I
...weit ist der duft aus lichtem grün -
spätwinterlich gefüllt noch die orangenhaine,
hier keimt der frühling unverdrossen
im mosaik getopfter blütenschreine.
die züge, einstmals fernbestimmt -
zerfressen ihre zeit auf jenen abstellgleisen,
die spur der landschaft spiegelstumpf –
traumleer - erinnerung zerrinnt...
der tauben schatten ist ein trauerflor-
in wassergassen tief versunken ist die stadt,
im atemrhythmus ihrer kranken welt,
schwingt traumverloren sie im wellentakt.
die fenster auf, der meereswind umfächelt
den schimmel im gebälk der räume.
des frühlings müde wird erneut gelächelt,
sei ruhig, denke nicht und träume...
diesseits der dämmerung
im abendrot deiner blicke
taste ich wortlos nach meinem leichtsinn
und lächle mein wildestes lächeln...
doch in der stille, die dieser stille folgt
zittern unruhe und angst, ganz tief drin...
und wär nicht das schwanken meiner knie,
und zeigt’ es sich nicht an der oberfläche,
(verräterisch bestimmt) spürt’ ich es nicht...
oder hätte mir wieder, wie schon so oft,
zugeflüstert, dass ich’s ertrage,
mich mäßigend herauswinde,
die lider gesenkt, die lider gehoben,
den teeduft schöpfend
und mich ergehe in floskeln:
aber sicher, nur keine bange,
das wird schon, na klar...
nun sitz ich’s halt aus,
sitze und trinke den tee,
und bin einfach still,
lausche dem ploppen des chats
in meinem kopf und denk
alles nicht ansatzweise so schlimm...
nun geht mein blick nach der uhr,
ganz im verborgnen, und ich weiß,
s’ist bald vorrüber, die sonne ist unten.
gleich wird es nacht...
Dienstag, 1. März 2011
Missbrauch - MISSBRAUCH - Missbrauch
die ehre wohnt im herzen
der spiegel sagt es dir
in langen stunden ohne kerzen
betrachtet mich und greift nach mir ...
ein missbrauch ist, wenn dunkle, heiße gier
geifernd zur unzeit ihre macht ausübt,
und schändet, was geschont sein soll,
geschont, behütet und gepflegt,
achtsam erhalten, sorgenvoll beäugt.
schwach darf schwach sein,
muss schwach sein dürfen,
ohne not.
glaubwürdigkeit, respekt und edelmut,
und würde, einfach die!
ein bisschen kleine würde
zu stellen über diesen satten trieb.
zu zügeln ihn, zu zügeln und zu stillen,
den schwachen willen.
mit selbstrespekt, nur dem,
ein bisschen achtung
für das eigne ich.
schlag doch den kopf an eine wand aus gelb,
aus braun, aus mauerstein, aus grau, aus schwarz,
tu’s doch, und schlag....
schlag auf die hand mit einer axt,
nutz die gelegenheit, schlag zu,
mit hinterlist zu zücken deinen schmerz,
trifft er das hirn? trifft er das herz?
wo wohnt die ehre denn?
im knie?
vielleicht!
so muss es sein!
die ehre ist
bei dir
ganz fest gespannt
vom
bauch
bis
hin
zum
bein...
.
copyright: gabriele brunsch
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