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Mittwoch, 27. Oktober 2010

...zum haiku

@ralf

lieber ralf,

du, dessen haiku ich so schätze,

du, dessen verse ich lange kenne

und dessen kunst ich gerne benenne...

ach, ja, ich weiß, ich weiß...


meinen ersten echten haiku, vom jap. ins deutsche übertragene kunstwerkchen mit kigo, durch und durch natur, natur, natur, bin ich etwa vor 45 jahren begegnet. ich schrieb von da ab ganz für mich (wer mag sie zählen?) in anlehnung an die japanische lit. tradition haiku, bis ich ihrer leid wurde und sie - wiederum ganz für mich im schema 5/7/5, jedoch als sinnsprüche (non-haiku) umwandelte.

nun, meine beschäftigung mit der haikugemeinde im netz, die ihre eigenen wichtigen gesetze kennt, die je nach laune und persönlicher macht und masche, das eine akzeptiert, das andere verstößt, hat aufhorchen lassen, lernen lassen, staunen lassen, mich erneut am kigo freuen lassen und meine beschäftigung mit haiku-haiku wieder erblühen lassen...

die welt ist voller haiku.


beim lesen spürt man, wo sich der autor gebildet hat, wenn man weltweit liest, oder ob es originär ist, ob es zaubrisch leicht und angenehm daherkommt, oder bemüht konstruiert schwerfällig... das eine muss nicht unbedingt neu sein, das andere nicht unbedingt schlecht.


man wird jedoch selbst vorsichtig, wenn man in der übersetzungstradition vom jap. zum deutschen oder englischen zwischen den sprachen
vergleicht und forscht, wie sich urplötzlich übersetzungsfehler oder interpretationskonstrukte als poetologisch scheinbar sicheres material festfressen und eine ganze generation von dichtern (aber ist ein haiku-schreiber ein dichter???) sprachkastratverslein zu produzieren beginnt, ohne das tun mutig zu hinterfragen.


doch sorry, das geht gar nicht, weil es ja die päbste gibt, die einem genau sagen, was und wie ein haiku ist und wie es nur sein darf... und es werden abhandlungen verfasst, und gesetze erlassen, und... und... und...

...ein gutes haiku zu finden, unter den aberhunderten, die täglich ins netz gestellt werden ist genau so schwer wie die nadel im heuhaufen. ab und an gelingt mir selber eins, oder ich finde eines, das mir gefällt, das mich begeistert. das trägt mich dann ein weilchen, hält mich gefangen, ganz gleich ob es beim rest der welt ankommt oder nicht.



wie gesagt, hunderte sind es weltweit, und hinz und kunz schreibt voneinander ab, und kaum ist mal was originäres dabei... weil der tautropfen, das rascheln der blätter, der rotz an der kindernase, der quietschende schuh, die schublade, das schlüsselloch, die kräutlein, der wind, und alles was lebendig und tot miteinander jahreszeitlich zusammenhängt schon unendliche male aufgelegt, neu aufgelegt, von neuem herumgewendet wurde...


wie gesagt, ein gutes ist immer ab und an dabei, eines, das mich anhalten lässt, vielleicht sogar staunen...


...und wenn man der wichtigtuerischen geltungssucht einiger kritiker mit lächeln begegnen kann, denn es wird mit ganz schön harten bandagen vorgegangen, und manch ein dichterlein hat mir da schon gehörig leid getan, dann ist das schon erträglich und macht die begegnung mit ihnen bisweilen sogar zu einem satten vergnügen.

Kommentare:

  1. nachdem ich gestern meinen ausführlichen Kommentar nicht abgeschicken konnte (technisches Problem) mache ich es heute ganz kurz:
    Mit einem Lächeln denen begegnen, die meinen, sie wüßten, was man als "gut" oder als "schlecht" betrachten kann ...Ja-, so sollte es sein. Auch unter den Kritikern gibt es (wie bei den "Schreibenden) den Durchschnittlichen, der NUR aus seiner Sicht heraus argumentiert ... für mich ist etwas g u t , wenn es mich berührt, wenn es etwas weckt in mir, wenn ich stutze und noch einmal lese, wenn es mir nicht aus dem Kopf geht und ich darüber sinnieren kann, wenn es mir ein Gefühl des "Erkennens" vermittelt, aber-, ich bin hier nicht die Fachfrau, gebe nur meine Sichtweise zu Kritikern weiter, aber-, wir müssen ja mit ihnen leben ... manchmal mit Vergnügen, meistens aber ohne ..:-( lieben Gruß Dir Ursa

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  2. Liebe Gabriele,

    da habe ich ja einen ganzen Damm eingerissen mit meinem kleinen Kommentar. Dabei bin (und bleibe) ich doch nur ein haiku-pupil. Zugegeben eins, das neue Wege faszinierender findet als ausgetretene Pfade. Aber vor allem eins, das immer wieder falsch liegt mit eigenen Texten, Einschätzungen, Argumenten und Urteilen. Deswegen machen mich Inhalt und Umfang Deines Kommentars verlegen.

    Pupil eben, haiku-pupil.

    Viele Grüße
    Ralf

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  3. @ursa

    danke für deine gedanken. sicherlich wird jeder einzelne schreibende seinen platz suchen und finden. die beweggründe, das movens, warum einer zum stift greift um seinen gefühlen und gedanken ausdruck zu verleihen, sind sicherlich mannigfaltig, doch in den meisten fällen von innerer aufrichtigkeit geprägt, um so mehr noch, wenn sie den mut haben, sich einer breiten leserschaft im netz zu präsentieren.
    wer diesen schritt geht, muss wie bei jeder öffentlichkeit, auch damit rechnen, dass die faulen äpfel fliegen - aus welcher ecke auch immer, es kann aber auch sein, dass es rosen regnet... oder auch veilchen...



    liebe grüße
    gabriele

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  4. @ralf

    wir sind doch alle haiku-pupils, lernende, jeden tag, jede stunde, und mit jedem wort, das wir schreiben, jedem satz, ein abtasten der welt...

    ein interessantes feld.

    mallarmé, baudelaire, rilke, george, da flogen keine verse einfach so daher, das war harte arbeit, im wieder und wieder erneut bewerten, betasten, wort, klang, form, idee, usw. erneut und erneut, bis es dastand, das verslein, so unumstößlich, als wäre es von allem anfang an gegossen für alle zeit...

    drum lass uns genussvoll schüler sein, wieder und immer wieder...
    und versuchen und lernen und es dann "trotzdem" wieder von neuem zu versuchen...

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  5. Gabriele, wie er- und aufmunternd Dein letzter Kommentar doch ist ... ja-, wir sind alles Lernende ...und ich mach d e s h a l b auch weiter und schreibe trotzdem ... Ursa

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  6. Anonym6/12/10

    Liebe Gabriele,
    das spricht mir aus der Seele...
    Einer der auch noch viel lernen muß, zumal er viel zu sehr aus dem Moment heraus seine knappen Worte bannt...
    Hans-Jürgen Göhrung

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  7. lieber hans-jürgen,
    ich danke dir für deinen besuch in meinem blog und dass ich dir hier aus der seele spreche, das freut mich besonders. dieses aus dem moment heraus ist doch erst einmal wichtig, das ist das geschenk, das uns die welt gibt, dieses erfahren zu können...der rest ist arbeit, die dann wartet, und dazu, sicherlich, ist dann auch erfahrung, übung, rat, lesen, lesen, lesen ... recht hilfreich und.... wieder auf den moment hoffen, der einem eine idee schenkt!

    liebe grüße

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  8. Ein sehr interessanter Thread! Haiku ist doch Leben, und unser Leben lang lernen wir. Hätten wir das Leben begriffen, so schrieben wir wohl Ratgeber. Lasst uns staunen, wundern und freuen und lasst uns Haiku schreiben, so wie wir fühlen.

    LG
    BeBa

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  9. @BB
    ...ich bin beglückt, dass du dich hier einreihst... ich lese immer gerne auf deinem blog... der maßstab, den wir ansetzen ist der geist und die sprache... eine poetik? sicherlich, aber die ist ein waberndes gebilde, und der zeitgeist und zeitgeschmack schlagen brücken und feuersbrunst von Basho und Issa in die gegenwart und durch die sprachen und wieder zurück.
    man begegnet häufig akteuren und verdrängungsprozessen. und manche akteure erscheinen mir oft als wären sie beim ego-surfen auf den wellen des selbst geschlagenen schaums...

    :-)

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  10. >>man begegnet häufig akteuren und verdrängungsprozessen. und manche akteure erscheinen mir oft als wären sie beim ego-surfen auf den wellen des selbst geschlagenen schaums...<<

    Das hätte von mir sein können. Nicht so klar ausgedrückt, aber vom gehalt her schon. ;-)

    LG
    BeBa

    p.s. Ich habe das problem, nicht wirklich warm zu werden in diesen Kreisen. Aber das ist mein shr persönliches Problem. ;-)

    LG
    BeBa

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  11. @BB

    wer nichts erwartet kann auch nicht enttäuscht werden.
    ein lyrikblog ist für lyrik da, nur wenige menschen interessieren sich für lyrik - die meisten für ihre eigene - und wenn man dann doch auf dem "broadway" des internets einigen begegnet, die man bewundern kann, dann ist das doch ein geschenk...

    gabriele

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  12. @BB
    ...was heißt bewundern, bei denen man gerne vorbeischaut, die überraschen, die uns ganz tief in der seele ansprechen, dann ist das ein ganz besonderes ereignis...

    das wollte ich sagen..

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