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DIESES BLOG WIRD ARCHIVIERT vom DEUTSCHEN LITERATUR ARCHIV MARBACH

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Samstag, 26. Dezember 2009

...wär ich voll unschuld...





nach der weihnacht.

der duft vom tannengrünzweig


durchschwebt matt die räume.

ein glanz aus sternen


in silbrigem weiß und golden.

engelhauch.


wär ich voll unschuld...






Sonntag, 20. Dezember 2009

...la mère et l'enfant


... und wünsche allen Besuchern meines Blogs
ruhige und besinnliche Feiertage.

Diese zauberhafte Skulptur stand in der Nische einer kleinen Kirche in der nördlichen Bretagne. Leider fand in diesem Augenblick eine Prozession statt, sodass ich meine Fotoaktion beenden musste...

Sonntag, 13. Dezember 2009

...und ist m e i n Krieg am Hindukusch

Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse anlässlich der Bombardierung
der Tanklastzüge mit vielen Toten, möchte ich dieses Gedicht, das ich damals
schrieb, als die Nachrichten auf uns schwappten und die Diskussionen begannen, noch einmal einstellen - im Blog rutschen die Dinger weg wie nichts, als seien sie, einmal geschrieben, bedeutungslos geworden - so ist es jedoch nicht, deshalb...

Meine Meinung hat sich nicht geändert, das Gedicht spricht meine Verzweiflung
an. Ich bin eine deutsche Frau, und unsere Soldaten sind in einem Gebiet, in dem
bezüglich der Kompetenzen und Machtansprüche absolute Verwirrung herrscht.
Wir sollen schützen und beim Aufbau helfen, sind aber jede Sekunde selbst in Gefahr. Was sich dem Leser hier aus den Nachrichten präsentiert ist ein winziger, abgeschwächter Bericht, der sich im weichen Sesselkissen sehr leicht ertragen lässt.

In so einer undurchsichtigen, sich sekündlich verändernden Gefahrenzone leben und wirken zu müssen, stellt eine Ausnahmesituation dar - und nur die stärksten werden sie psychisch heil überstehen. Ich diskutiere nicht "für oder wider Krieg" hier, (für mich "ist es Krieg"), sondern nur wie sich mir die "tatsächliche" (?) Situation darstellt - ich versuche meinen Schrecken und meine Ängste auf diesem Weg zu verarbeiten - das Wort "Schuld" wird man hier nicht finden.


(bitte auch lesen: http://www.kunst-frau.de/page52.html )



...UND IST MEIN KRIEG AM HINDUKUSCH...


- es ist ein schlimmes verwirrspiel,
die argumente schlagen gegeneinander
trommelwirbel mit atemloser hast -
und die kontroverse diskussion
zersplittert den sachverstand,
und du weißt nur, dass du nichts weißt,
oder zu wenig...

...aber, kann man denn je,
jemals ein richtiges wissen haben,
ein richtiges argument, einen grund,
einen, der krieg rechtfertigt,
einen, der in der letzten konsequenz,
den tod von vielen mit einkalkuliert,
ihn mit bleiernem grinsen hinnimmt,
das schluchzen und weinen der fliehenden,
den glasigen gebrochenen blick der zerrissenen,
die wutschreie der kämpfenden...
auf beiden seiten,
denn alle kämpfen für die richtige sache,
für ihre wahrheit,
für ihren grund,
für ihr richtiges argument,
weil sie das echte wissen haben,
das ihnen den mut und die kraft gibt,
die rechtfertigung zu glauben,
ihr kampf sei die einzige bedingungslos
wirklich vertretbare konsequenz,
sinnvoll und wert, wert das eigene leben
einzubringen, bereitzustellen
vor den opferstock einer fiktiven zukunft...

...während wissen und verständnis
in rinnsalen versickern,
jounalisten ihre augen und ohren
in sicherem abstand in ritzen zwängen,
kollateralschäden abtasten
und google-earth die rasterfahndung verrätselt,
erfüllen flüstern und hecheln die luft,
schlägt die lüge – mit tausend zungen –
im echo verstärkt von fels zu fels
während der neue und der verkrustete
angstschweiß wie eine dunkle aura
die harrenden kämpfer umstrahlt,
und niemand genau weiß was war
und niemand genau weiß was ist
und niemand genau weiß was wird,
weil krieg nicht kalkulierbar ist,
weil hass nicht kalkulierbar ist,
weil wut nicht kalkulierbar ist,
und lust und macht und machtgelüst
sich ausbreiten wie ein flächenbrand,
vernunft sich in rauch auflöst
und asche den himmel verdunkelt...

...da sitzt du und legst die hände
auf gesicht und augen
und suchst nach gründen
im selbstgeschaffenen
sicheren dunkel.
vor dir irgendwo, in reichweite,
die gelesenen passagen,
die berichte, die gesammelten einsichten
und fakten, diese sinnträger,
die schwarzen zeichen auf weiß,
sind trommelwirbel hinter den lidern,
und während du argumentierst
tun sich fenster auf vor dir
und du schaust hinaus und hinein
in tiefe gebirgstäler mit versprengten dörfern,
frauen mit burqa weil es immer so war,
mohnfelder auf lichten höhen, gemüsegärten,
auf kahlen hängen, die der blick trifft, ein knecht,
viele knechte, ein bauer, viele bauern,
ein kind mit der hacke, dem bündel,
die feldarbeit im steilen gebirg ist mühsam.
wessen berg ist das, wessen dorf, wes knecht,
dorfälteste, räte, warlords mit ihrem machtnetz
von felssturz zu fels...

und taliban klettern wagemutig auf schleichpfaden.
hörst du den ruf des falken,
den gesang der nachtigall,
das zirpen der grillen,
die musik der natur durchwebt
arg- und ahnungslos die luft.
zerborstene häuser, straßen, brücken, wege,
dächer und brunnen, ruinen und einschusslöcher
wo längst wieder oder immer noch wohnung ist,
zaudert der fuß das offene feld zu durchspringen,
barst nicht erst gestern die mine, so nah...
...und im unwirtlichen, zerklüfteten land,
in den talfurchen, den bergmassiven,
unter dem geröll der halden ruht gold, silber, bauxit,
wolfram, uran, zink, kupfer, mangan, öl und gas...
...und irgendwo im ledersessel sitzend
schieben in trilateralen runden
die global vernetzten,
multipolar etablierten gamelords
ihre bauern über das spielfeld
und der zeiger der uhr klickt weiter,
und einer sagt leise:
„bald wird das fell des bären geteilt!“





Dienstag, 8. Dezember 2009

A p h o r i s t i s c h e s von P E T R O S (und vieles mehr - und... lesenswert!)

Petros schrieb folgenden A P H O R I S M U S :

.
Das Bild, das ich sehe, ist das Bild, das ich male; denn
das Bild, das ich male, ist das Bild, das ich sehe.


Meine Gedanken dazu:

in der tat, etwas anderes wird uns auch nicht gelingen…


“malen lernen ist sehen lernen” bzw. “was du nicht erkennst, kannst du nicht beschreiben/malen/zeichnen”

ich denke, das kann man sowohl auf unsere lyrik als auch auf die darstellende kunst anwenden.

wunderbar ist, dass, obgleich seit homer (ppt) die menschen schreiben und beschreiben, dichten und erdichten, es doch in jeder generation immer wieder künstler gibt, die dazu bestimmt sind, die welt sprachlich neu zu definieren.

faszinierend…


(so ganz am Rande kommt mir die Sprachlosigkeit und Leseabgeneigtheit unserer Jugend in den Sinn - und das Wehklagen und die Angst darüber, dass ihnen allen die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben verloren gehen könnte: Du arme Welt!

Doch, ich bin in meiner Kindheit in vielen Wohnungen gewesen, in vielen Kinderstuben und vielen unterschiedlichen Häusern. Ich sah sehr viele reich ausgestaltete Räumlichkeiten, Bücher allerdings (außer Atlas, Blumenratgeber und Brockhaus im Meter) waren darin kaum zu finden, ich sah schlichte, karge Wohnungen in denen Bücher Teil der Behaglichkeit waren. Während meiner etwas wirren Schulzeit - mehrmalige Schulwechsel inbegriffen - war das Lesenmüssen für die meisten Schüler eine elendig mühevolle Aufgabe, deren man sich gerne dadurch entledigte, dass man vor den Stunden andere Schüler (z.B. mich) ausfragte, was denn im Text wichtiges versteckt sei. Der Genuss am Lesen, diese Freude, die sich, je nach Text bis in einen emotionalen Lustzustand hinein steigern konnte, dieses Be-Greifen von gelesenen Worten, diese Gier sie immer wieder von Neuem hervorholen zu wollen, um diesen Kick des ersten Mals erneut erleben zu können (und bei guten Texten riss dieser Genuss auch nicht ab!), das spürte ich sehr jung, ließ sich nur sehr selten mit anderen Menschen teilen. Ja, im Gegenteil, ich stand oft sehr einsam da, wenn ich mich mitteilen wollte, bzw. wenn ich die Lese-Gespür-Erfahrung eines "Mit-Lesers" erfahren wollte.

Dies bringt mich dazu folgende Gedankenkette weiter zu winden:

Ist es wirklich wahr, dass die Kinder früher mehr lasen als heute? Ich meine damals, bevor der Fernsehapparat Einzug ins Wohnzimmer hielt. Ich bezweifle es. Angesichts der Umkehrung von Absolventenzahlen in den unterschiedlichen Schulzweigen beschleicht mich der Verdacht, dass die Erwartenshaltung an die Bildungsbereitschaft der Menschen im Allgemeinen gestiegen ist, aber die Fähigkeit und die Lust sich bilden zu lassen, oder sich bilden zu k ö n n e n, sind mit dem schulischen Angebot nicht gestiegen. Oder anders - ist die Tatsache, dass alle Schüler die Möglichkeit haben weiterführende Schulen mit anschließendem Hochschulstudium zu besuchen auch direkt Beweis für ihr ureigenstes Bildungsinteresse?

Denken Sie an Ihre Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel, denken Sie an die Verwandten Ihrer Freunde, Arbeitskollegen ...

Wie hoch ist der Stellenwert eines Lesevergnügens in den unterschiedlichen Familien?

...schon der Lesetisch in verschiedenen Arztpraxen könnte Anstoß für tieferes Grübeln sein...

...wenn nicht aber eher zu unbändiger, erkenntnisreicher Heiterkeit!)



Donnerstag, 26. November 2009




VIEL STILLER DER SEE

SO LEICHENBLASS UND FADE

VÖLLIG ENTKRÄFTET


KLATSCH KLATSCH - HÖRST DU IHN?

DEN HÖLZERNEN SCHLAG - KLATSCH KLATSCH

WEHMUTSGESCHLUCHZE


WER MAG ERTRAGEN

DAS ELEND DIESER ZEITEN

STURMGESCHÜTTELT ROH


DAS CHAMPAGNERGLAS

PERLEND - DIE LIPPEN VERZÜCKT -

GIB ANTWORT MIR - SCHATZ?


SO SAUGST DU ODEM

AUS DEN STEINALTEN TÖPFEN

A-RHYTHMISCH DER TAKT


NICHTS GEHT - UND ALLES

GEHT ALLES DAHIN UND NICHTS

MITNICHTEN RICHTIG


MAGS NIEMAND VERSTEHN

SO IST ES DOCH EXISTENT

DIESES KLEIN BISSCHEN LEBEN


PST PST PST GANZ LEIS

DAS GEHEIMNIS IST EINSAM

VERSCHLUCKT VON SCHWEIGEN



Zu meiner großen Freude hat Tibi mein See-Gedicht ins Ungarisch übertragen.

Ich will es all jenen, die sich nicht die Mühe machen in die Kommentare
hinein zu schauen und nur die Gedichte lesen, auf keinen Fall vorenthalten....




viel stiller der see /még mélyebben a tó
so leichenblass und fade /oly holtsápadt s unott
völlig entkräftet /teljesen kimerült

klatsch klatsch - hörst du ihn? /hallod, hogy csapkod?
den hölzernen schlag /a fadorong csapkod
wehmutgeschluchze /fájdalmas zokogás

wer mag ertragen
das elend dieser zeiten /e kornak nyomorát
sturmgeschüttelt roh /tör-zúz mint egy mozsár
ki képes elhordozni?

das champagnerglas /kristálypohárban drága
perlend – die lippen verzückt /bor pezseg - ajkak extázisa
gib antwort mir - schatz? /felelj nekem, szivem

so saugst du odem /oly légszomjasan kortyolsz
aus den steinalten töpfen /a kőkori korsókból
a-rhythmisch der takt /szabálytalan lüktet az ütem

nichts geht - und alles /telik az üresség - és minden
geht alles dahin und nichts /odatart és semmi sem
mitnichten richtig /pusztul vele végleg

mags niemand verstehn /nem képes senki megérteni
so ist es doch existent /és annyira élő mégis
dieses klein bisschen leben /ez az apró harapásnyi élet

pst pst pst ganz leis /pszt, szivem, csak halkan
das geheimnis ist einsam /a titok most egyedül van
verschluckt von schweigen /elnyelte a csönd


Szentandrási Tibi

http://sztandit.blogspot.com/




Samstag, 21. November 2009

ERSTER LEBENSRAUM - vollendet ???

(der versuch, die vielen gedanken in 10/10/8 silben pro vers unterzubringen - ist mir nun hoffentlich gelungen)


im ersten lebensraum, am blutpulsschlag,
ist nur ein rauschen von lebensströmen.
ein schrei versickert in glucksen,
.
kichern und gesang, himmelssphärenton,
und das pochen: gleichklang, eines rhythmisch
laut, und leise leise leise
.
das kleine, leise, leise das eigne.
der willkür ausgesetzt, eingebettet -
kiemenlos als wasserwesen.
.
atemfrei - imprisoned. kein recht kein los –
als teil des teils das teil der teile selbst
ist teil und endlos allesteil
.
ist letztes, erstes, ist allerletztes,
wichtigstes, elendstes, ersehntestes,
gehasstestes, geliebtestes...
.
vom ersten augenblick das ganze stück.
und nie gesichertes. gewagtestes,
versprochenes an zukunftsglück
.
wenn nicht der heile ausstoß, dieser akt
nicht heil gelingt, wenn nicht, wenn nicht, wenn, wenn...
und wann ist mensch ein echter mensch
.
ist mensch ein mensch wenn er geboren wird
was ist human, was animal, was pulp?
was geist, was spur, was element,
.
was luft, was wasser, was ist holz, was zahl,
was licht, was feuer, was idee, was traum
was qual und was ist schuld, was schmach.
.
was elend, was ist trotz, was ist trotzdem,
was ist geduld, was dauert, was ist stark,
was wird, was lebt, was bleibt - gedeiht?
.
was ist der mensch, was unschuld und was schuld?
was ist die frucht, der früchte ausgeburt,
ist neufrucht, gleichfrucht, allesfrucht.
.
ist einfach da.

Mittwoch, 11. November 2009

im ersten lebensraum - erster versuch
























im ersten lebensraum in blutpulsschlag
ins rauschen aller lebensströme eingebettet,
ein schrei versinkt in glucksen
.
kichern und gesang musik aus himmelssphären
und pochen gleichklang eines rhythmisch
laut und leise leise leise
.
das kleine, leise, leise, leis das eigne.
der willkür ausgesetzt, und eingebettet
kiemenlos als wasserwesen.
.
atemfrei - imprisoned. ohne recht und los –
als teil des teils das teil der teile selbst
ist teil und endlos allesteil
.
ist letztes, erstes, allerletztes, allererstes,
ist wichtigstes, und elendstes, ersehntestes,
gehasstestes, geliebtestes...
.
vom ersten augenblick ein ganzes stück
und nie gesichertes und nur gewagtestes,
versprochenes an zukunftsglück
.
wenn nicht die heile flucht der heile ausstoß
heil gelingt, wenn nicht, wenn, wenn
und wann ist mensch ein echter mensch
.
ist mensch ein mensch wenn er geboren wird
was ist human, was animal, was pulp?
was geist, was spur, was element,
.
was luft, was wasser, was ist holz, was zahl,
was licht, was feuer, was idee, was traum
was qual und was ist schuld, was schmach.
.
was elend, was ist trotz, was ist trotzdem,
was ist geduld, was dauert, was ist stark,
was wird, was lebt, was bleibt - gedeiht?
.
was ist der mensch, was unschuld und was schuld?
was ist die frucht, der früchte ausgeburt,
ist neufrucht, gleichfrucht, allesfrucht.
.
ist einfach da.





Samstag, 31. Oktober 2009

Auf dem Stein sitzend...

Als ich an diesem Tag über meine dünnen Beine zu meinen Füßen hinunter sah, der Stein war spürbar hart unter mir, glaubte ich, unten, weit unten im Gras sonderbare Gebilde zu sehen. Sie waren vernebelt und gestaltlos. Während ich sie betrachtete und mit Mühe den Zusammenhang zwischen den erlebten Ereignissen des Tages und diesen undefinierbaren Formen zu finden suchte, bemerkte ich etwas, das mich, obwohl es Teil meiner Fantasie für den Rest meines Lebens bleiben sollte, immer von Neuem mit großem Erstaunen erfüllte.
Die Gebilde waren Ausdruck eines Gefühls, das ich nicht benennen konnte. Sie umspielten den Grund unter mir, und suchten Kontakt zu meiner Haut. Wie um sich Gehör und Einlass zu verschaffen wuchsen sie um mich herum und mahnten mich endlich eine Bedeutung für sie zu finden, damit ich sie in mich aufnehmen könnte. Ich könnte sie mir auf den Leib legen oder sie einatmen, in mich und auf mich reiben. Dann erst würde ich sie kennen, so wie man einen reifen Apfel kennt, dessen Herkunft einem vertraut ist und dessen Duft und Geschmack sich mit der Farbe und der Spannung seiner Schalenhaut als besonderer Wert schon sehr früh in das kindliche Bewusstsein gedrängt hat und dort festsitzt für den Rest der Zeit.
Was also war es diesmal gewesen, das sich als rätselhafte Erscheinung abgesondert hatte um als wuchernder, wabernder Bodensatz des Tages mein Unterbewusstsein zu durchspülen? Es war eine winzige Begebenheit gewesen, die aus Hast und Blicken bestand, aus Ekel und Verwunderung, aus sattem Grün und Staunen. Und eben diesem einen Satz.
Während ich gerade große Kastanienblätter aus unterschiedlichem Grün, Gelb und Braun sammelte und als Fächer in meiner Hand drapierte, hörte ich Stimmen. Laute, wütende Männerstimmen hallten aus der Passage. Dann kam mein Vater mit weit ausholenden Schritten herausgerannt. Er gestikulierte mit den Armen, rief laut: „Ha!“, blieb stehen und kratzte sich am Kopf. Sein Blick fiel auf mich und er sagte den Satz, von dem er wissen musste, dass ich ihn nicht verstand: „In Amt und Würden! Weißgott, aber von Würde keine Spur!“ Als er weg war, kam Herr Steiner, der Obmann, der  über alle herrschte und vor dem alle zitterten, aus dem Tor, blieb auch stehen und verzog das Gesicht zu einer sonderbaren Fratze. Er sah sich um. Als er merkte, dass der Hof bis auf mich verwaist war, rotzte er sich mit Mittelfinger und Daumen der rechten Hand den Schleim aus der Nase. Er schleuderte ihn quer über den Platz, räusperte sich heftig und öffnete sich mit den feuchten Fingern die Hose. Dann ging er zur Kastanie, wo er, kaum zwei Meter von mir entfernt, sonderbar grinsend sein Geschäft erledigte.
Ausgeliefert.
Der bunte Herbstblattfächer
löchriger Schutzwall

Freitag, 30. Oktober 2009

das hochzeitsfoto I




...den richtigen moment aus der welt herausschneiden,


aufbrennen, für die ewigkeit festzurren,

das präparat der unwillkürlichen bewegung so beherrschen,

dass der katalysator der strengen planung das gebilde perfektioniert,

nichts soll zufall, nichts dem tollen mut des augenblicks geschuldet,

nichts soll nur so, nur einfach so, nichts soll "gewöhnlich" sein.



die welt ist ein tollhaus, der himmel strahlt und der übermut perlt

und die uhren ticken verquer an den handgelenken der vielen,

und der rhythmus der schritte pulst wie die laune des windes,

atemlos, hier hin und dort hin, und lachen und weinen bald,

und alles misslingt, und darf nicht misslingen, gute miene...


wie lächeln zur fratze erfrieren, wie ein zwinkern erstarrt,

und das kompliment zum leisen fluch geriert,

und unter dem fleisch der wangen verbeissen sich zähne

und lippen werden zum formlosen strich.


der wind pustet ein schirmchen über den platz

und lachelnd hüpft ein kind hinterher...





Mittwoch, 28. Oktober 2009

kunst und natur




...mit speichel netze ich
das wilde rot auf dem papier,
und lass es schwimmen
dieser früchte gelb,
bin mitten drin
im sonnentanz,
der letzten, allerletzten

warmen stunde.
will kunst ergreifen
und erfasse nur natur,
will abstraktion,
will transzendenz
und spüre wie der duft
des lichts mit speichel
sich vermischt und farben
löst von dicht nach licht
und während sie
im hier verschwimmend
sich vermischen,
versickert alle
intention,
die metaphysische
die hingewollte,
im schlichten bild
aus herbst
so matt
und gleichsam lächelnd
zum trotz mir jetzt
in der verzückung
naturnaturnatur
und meiner absicht
hohn...




Sonntag, 18. Oktober 2009

.
.
.

- mädchen am waldrand -

der purpurne horizont

versinkt in schwärze
.
.
.


.
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.noch ein paar schritte

ins zwielicht getaucht der wald

ein käuzchen schreit
.
.
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abendwind

zerkräuselt die gestalt

im pfützenwasser
.
.
.

Freitag, 9. Oktober 2009

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...im frühherbst scheinen die nebel wie milchiges glas,

das sich verflüssigt und auflöst,
wenn die sonne luftig und zögerlich,
den kühlen duft der nacht noch in ihrem atem,

in den wiesengrund steigt und den tau verperlt...

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.
.

Montag, 5. Oktober 2009

.
.
an dunklen tagen

in selbstzweifeln verharrend

suchst du die antwort
.
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...was wird, wenn die sonne
verdunkelt und die tage
am nachmittag kriechen
in eine lange düsternis hinein,
die kein zwielicht kennt,
was wenn die nebel
mit ihren weiß-grauen fingern
wabernd nach uns greifen
- und wir im nebelmaul,
das unsre seelenleiber frisst,
verschwinden...

verdickte erinnerungsfetzen
der vergangenheiten,
nicht actor, stuntman, schattenfigur,
brutal gehetzt durch diese clips,
scharlatanerie des traums,
der wut des wahns,
des geistesblitz,
ausgeleuchtet und verletzt,
bleibt immer nur das bild der not
kalt-weiß-schwarz
und rot blutrot...
die zeit reißt an uns,
wie ein gieriges tier,
ent-lebt uns, stück für stück,
und wir halten unsere würde
vor der brust zusammen
wie die falten eines mantels,
doch da ist kein mantel,
nur die nackte lederhaut,
so hilflos,
ist der versuch
nicht einzuknicken
vor der übermacht des angriffs...
.
.



.

Sonntag, 4. Oktober 2009

- arboretum -


...im arboretum 
starr vor staunen 
einem wald 
aus bambusstengeln 
begegnet,
 
gigantische gehölze 

- doch - 
so fremd muten sie an 
- so ungewöhnlich fremd -


Samstag, 26. September 2009

Donnerstag, 24. September 2009

Kontraste - Herbsterkenntnis

herbst - sonnendurchwirbelt weich und wild

du wühlst mich auf, ich wache ungestillt


mit meinen lippen schlürf ich deinen seim


aus farben - lass mich trunken sein


mich dürstet nach dem dunklen duft


von erde und verfall, verfall vergehen,


gesättigt bin ich nimmermehr,


als müsst ich hundertfach in dieser süßen luft


von todessehnsucht angefasst am rand


vom reichen jahr ermattet lässig stehen


und denken, wär das denn so schwer


dies kleine stück zu gehen?


was bleibt? ein satz vielleicht,


ein epitaph aus zahl und wort,


und efeuranken blattdurchpulst...


empfindung fühlbar ungetrübt,


die sinne klar - ein ozean, ein meer -


ist ein gewand aus lichtblau-grün,


kühl-wasser-grün-und kühl so kühl,


und körperweiche kühle haut,


im wassergrünen kühlen grün, umspült


- wie schwimmst du aus dem neer,


undine, zartes flüssiges gespinst,


unwesenhaft nicht mensch nicht fisch,


bist alles gleichsam willentlich


und schwimmst...


von sonnenlicht und glanzgeflecht,


von glitzerglanz und funkentanz,


durchspült verharrst du plötzlich eisig-kühl,


verharrst, und starrst, und starrst...


du bist so feige, ahnungsloser leib,


du kränkelst, lustbetonte note,


verweichlicht, eingedickt der mut,


schon tänzelst du, verstrickt


vertäut,


verankert und verkettet,


verzweifelt aufgeknüpft und lau die glut...


ha!!


ein riesenhafter schoß sind deine meere welt


in die der zeitgeist kotzt, ein ausgekochtes spiel,


vereinzelt stehen ratlos kleine felsenstädte,


im sonnenlicht, verzagt,


der blick geheftet, starr, der leib geschändet,


im flötenklang und trommelwirbelorchestralgewendet


stehst nackt du da,


ein stückchen zeit - du erdenteil -


im jetzt verendet


...


sei nicht vermessen,


was soll das, verendet?


die welt sie lebt und ist ne loveaffair


du hörst das klatschen hundertfacher wellen,


und hauchst beglückt: "was will ich mehr...!"





verschwendet?

Freitag, 18. September 2009

Z U S T A N D - E S S E N Z




-->...das bild sollte nicht unkommentiert stehen, sagte mir einer, und ich vermute, dass er es nicht lesen konnte, oder es aus meinem munde erfahren wollte, was ich dazu zu sagen hätte, doch, ich mag dazu nichts sagen, was ich zu sagen hatte, damals, als ich es malte, steht doch da, unverschlüsselt...

... ein bild ist ein bild, ein jeder mensch kann es lesen, ein jeder sieht die form, die farben, doch ob sie alle die gleichen formen und farben sehen, das vermag ich nicht zu sagen...


...paparazzi, ein lied von lady gaga, provozierend brutal und an der grenze des erträglichen vorgetragen bei den MTV - music awards in NY. die meisten fanden es "geschmacklos" - andere pervers, wieder andere nur einfach "ekelhaft" - wenige waren beeindruckt, ich war beeindruckt - was hat das mit meinem bild zu tun?...
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grenzen - los - wort - los




hat mich zu diesen Gedanken inspiriert:



...nichts geht verloren,
der Klang, der Duft,
die Farben, die Wärme,
die Kälte, der Glanz,
die Finsternis...
sie sind immer da,
auch wenn niemand hinhört,
auch wenn niemand hinsieht,
auch wenn kein Mensch sie ersprürt
um sich zu erfreuen,
um darüber zu schreiben,
um einfach nur darin zu leben...
vielleicht ist es ja die Libelle,
die über dem Wasser innehaltend
plötzlich die Schönheit wahrnimmt
und atemlos libellisch flüstert:
"...ach, könnte ich dichten, ich schriebe..."


...und ich beschließe den Tag...

nicht libellisch, sondern sphingisch lächelnd:


"...ach, könnte ich dichten, ich schriebe..."


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Mittwoch, 16. September 2009

nicht frau nicht mond

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-->
am wasser flirren die funken
hinter dem schwarz-blauen schleier
wird flüchtig der mond
im tonlosen dunkel versunken
erstarrt zum standbild der reiher
weißt du wo gott wohnt?
von eisigen küssen betrunken
empfängt mich zaghaft der weiher
bin frau nicht und nicht mond
ins schwarz den silberleib tunken
betäubt vom schluchzen der leier
ob sterben lohnt...
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Himmel wolkenlos...



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gewitterwolken
verziehn sich - haiku
auch verschwunden


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....erschienen in der internationalen Haiku-Anthologie
"Himmel wolkenlos"
neue cranach presse kronach
von Ingo Cesaro
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Himmel wolkenlos...

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durch wolken steigen
im gesicht nadeln aus gischt
fest an deiner hand
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....erschienen in der internationalen Haiku-Anthologie
"Himmel wolkenlos"
neue cranach presse kronach
von Ingo Cesaro
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Donnerstag, 10. September 2009

Autarkia - Die größte Offenbarung ist die Stille

Sprecherin: Friederike-Therese Brunsch
Lyrics: Wolfgang-Imre Brunsch (1979 - 2003)

Music: OCIRAA

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video

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Zeit - Translated by Sumuze


Sumuze hat sich mein Gedicht von der Zeit, die in und um uns vergeht, vorgenommen um es noch einmal ins Englische zu übertragen, dafür danke ich Ihr inniglich. Jetzt ist es ganz anders... und das ist wunderbar. Es kommt so leicht daher...
Sumuze hat viele englischsprachige Lyriker/innen ins Deutsche übertragen, umwerfende Neu-Schöpfungen... siehe Sumuzes Blog!



...time which
no-one
is apt to grasp
dying away
above
besides
with and
within
us
narrowing us
down into nowadays
scraping us
off our past
tossing us into the future
always being
both start and end
the one
just like the other
and of both
the two of all
dead strong
morn' and eve
bright and dark
young and old
awakeing and going to sleep
come and go
death and birth
... at least where
there is life
still breathing
there
upon our earth
...
yet

Dienstag, 8. September 2009

...as time goes by... Old People's lullaby

.
...as time goes by - times go by
while I go by - people go by
things go by - go by - go by...

- conscious or unconscious
of what is there
or has just gone by
or had gone by long before
anyone had opened his eyes
and whispered
desperately longing
for time - much more time...
as these limited gaps of time
we are bestowed with
rattle and sniffle and sigh
endlessly
as time and times go by...

Montag, 7. September 2009

Z E I T - T I M E - T E M P S

...die zeit,
die niemand
erfassen kann,
die
über
bei
mit
in
uns vergeht,
die uns ins jetzt
einschnürt,
aus der vergangenheit
schält,
in die zukunft schubbst,
ist immer anfang
und ende,
gleichzeitig das eine
und auch das andere,
und von beidem
immer alles,
ganz intensiv,
morgen und abend
hell und dunkel
jugend und alter
erwachen und schlafen
kommen und gehen
tod und geburt
...zumindest dort
wo leben ist,
wo etwas atmet,
dort,
auf unserer erde,
...
noch
...
...time,
which no-one
can grasp,
which passes by
above
around
with
and in
ourselves,
which constricts us
into the present,
peels us free
from the past,
shoves us into the future,
is always beginning
and end,
at the same time this
and also the other,
and always everything
of both sides,
quite intensive,
morning and evening,
light and dark,
youth and old age,
waking and sleeping
coming and going
death and birth
…at least there
where there is life,
where something breathes,
there,
on our earth,
still
...le temps,
que personne
ne peut saisir,
qui passe
sur
autour
avec
et en dedans
nous,
qui nous enserre
dans le présent,
nous pèle
du passé,
nous pousse dans le future,
est toujours le début
et la fin,
au méme moment l’un
et aussi l’autre,
et toujours toutes choses
de tous les deux,
tout intensive,
le matin et le soir,
clair et sombre,
la jeunesse et la vieillesse,
le réveil et le sommeil,
l’arrivée et le départ,
la mort et la naissance
…au moins là
où il y a de la vie,
où il y a une haleine
là,
sur notre terre,
encore