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Donnerstag, 24. September 2009

Kontraste - Herbsterkenntnis

herbst - sonnendurchwirbelt weich und wild

du wühlst mich auf, ich wache ungestillt


mit meinen lippen schlürf ich deinen seim


aus farben - lass mich trunken sein


mich dürstet nach dem dunklen duft


von erde und verfall, verfall vergehen,


gesättigt bin ich nimmermehr,


als müsst ich hundertfach in dieser süßen luft


von todessehnsucht angefasst am rand


vom reichen jahr ermattet lässig stehen


und denken, wär das denn so schwer


dies kleine stück zu gehen?


was bleibt? ein satz vielleicht,


ein epitaph aus zahl und wort,


und efeuranken blattdurchpulst...


empfindung fühlbar ungetrübt,


die sinne klar - ein ozean, ein meer -


ist ein gewand aus lichtblau-grün,


kühl-wasser-grün-und kühl so kühl,


und körperweiche kühle haut,


im wassergrünen kühlen grün, umspült


- wie schwimmst du aus dem neer,


undine, zartes flüssiges gespinst,


unwesenhaft nicht mensch nicht fisch,


bist alles gleichsam willentlich


und schwimmst...


von sonnenlicht und glanzgeflecht,


von glitzerglanz und funkentanz,


durchspült verharrst du plötzlich eisig-kühl,


verharrst, und starrst, und starrst...


du bist so feige, ahnungsloser leib,


du kränkelst, lustbetonte note,


verweichlicht, eingedickt der mut,


schon tänzelst du, verstrickt


vertäut,


verankert und verkettet,


verzweifelt aufgeknüpft und lau die glut...


ha!!


ein riesenhafter schoß sind deine meere welt


in die der zeitgeist kotzt, ein ausgekochtes spiel,


vereinzelt stehen ratlos kleine felsenstädte,


im sonnenlicht, verzagt,


der blick geheftet, starr, der leib geschändet,


im flötenklang und trommelwirbelorchestralgewendet


stehst nackt du da,


ein stückchen zeit - du erdenteil -


im jetzt verendet


...


sei nicht vermessen,


was soll das, verendet?


die welt sie lebt und ist ne loveaffair


du hörst das klatschen hundertfacher wellen,


und hauchst beglückt: "was will ich mehr...!"





verschwendet?

Kommentare:

  1. Das rollt gewaltig und wild - gar nichts verschwendet! Aber Herbst ist immer ein wenig die Reue des Sommers.

    Kleine Anmerkung: Muß es hier (" wie schwimmst du aus dem neer,") nicht meer statt neer heißen?

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  2. Liebe Sumuze,

    aus dem Neer - wäre aus dem Wasserstrudel heraus...

    ich freue mich, dass du so schnell gekommen bist und dass es dir gefällt....

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  3. Seim und Neer - klar, musste ich erst mal nachschauen, bevor ich es richtig einordnen konnte (Seim kannt ich gar nicht, Neer war bislang nur ein Fluss für mich). Über alles gesehen ein gewaltiger Fluß, den Du da ins Fließen bringst. Mit Sand, mit Steinen, mit Felsen. Sehr gewaltig, an manchen Stellen fast gewalttätig - weil dem Leser für Eigenes scheinbar kein Raum bleibt. Wer sich aber tiefer auf die Untiefen einlässt, bekommt diesen Raum.

    (PS: Gespinst seit Ende des 19. Jahrhunderts mit einem n. Oder war das bewusst Altdeutsch?)

    Viele Grüße
    Ralf

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  4. Die Allgewalt und Allgestalt des Herbstes, die Sehnsucht, die in Sehnsucht stirbt, das Monochrome in all seinen Farben...

    Gruß
    Petros

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  5. ...ich danke Euch für Eure Gedanken.

    Seim und Neer, sicherlich nicht ganz gebräuchliche Wörter, aber das ist so eine Sache mit den Wörtern, sie sind einfach da und ich war mir nicht bewusst, dass es veraltete Wörter sind (Seim, Honigseim... - trägflüssige, duftende Flüssigkeit, die man nicht wirklich schlürfen kann, nur abschlecken..., das Neer, ein brausender Wasserstrudel, der in meiner Vorstellung immer mit viel Wirbeln und Luftblasen und Sog und schäumenden Wellen assoziiert wird...).
    @Ralf
    Gespinst, lieber Ralf ist natürlich ein ganz banaler Rechtschreibfehler, wohl zu viele Spinnfäden im Kopf....

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