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Dienstag, 14. Juni 2011

TANZLIEDCHEN

Tanzliedchen

Dreh dich mein Kind und tanze,
im Kleidchen so rosenrot,
in der leisen Musik lass dich wiegen,
noch weißt du nichts von der Not.

Noch bebt bei uns nicht die Erde,
begräbt uns kein grauer Stein,
noch stürzen die silbernen Flieger
über andere Dörfer herein.

...dein kleiner weißer fuß auf dem teppich, im takt,
wie ein pferdchen, sagt du, schau wie es springt, hei...

Wie zur Mitternacht die schemenhafte Form des Mondes,
leichenweiß und gelb, hinstreicht über die Straßen und Plätze
und über die Stirnen der Schlafenden und der Wachen!
Das fahle Licht höhlt unsere Körper aus und der Weinberg erzittert,
wenn die Gedanken zu Blei werden.

Noch hungern die Kinder woanders,
verdorrt Hitze Erde zu Staub,
noch zerren wahnsinnige Mörder
andere Kinder ins Laub.

Dreh dich mein Kind und tanze,
im Kleidchen so rosenrot,
in der leisen Musik lass dich wiegen,
noch weißt du nichts von der Not.

Wenn mein Fuß hinwandert durch die nachtkalten Reben
und das liebliche Tal sich einpendelt zwischen dem Wald und mir,
spür ich die Angst der Frauen vor der Selektion,
links oder rechts, und höre die Schreie!
Wann nur werden der Tränen genug geweint sein
und der weißliche Tau keinen Vergleich mehr finden?

...jetzt geht’s dahin, wie ein wasservogel,
leicht, und die kleinen arme schlagen wie flügel,
majestätisch und stolz, sagst du,
wer möcht es auch hindern, das trotzige tierchen
mit kühnen wellen zu streiten...

Dreh dich mein Kind und tanze,
im Kleidchen so rosenrot,
in der leisen Musik lass dich wiegen...



1986 © ALLE RECHTE BEI GABRIELE BRUNSCH

Kommentare:

  1. "Pommerland ist abgebrannt. Schlaf, Kindlein, schlaf" - oder tanze. Nein, kein "noch nicht"! Empört Euch!

    Liebe Grüße
    Helmut

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  2. ...lieber helmut,

    du hast schon gesehen, dass dieses gedicht 1986 entstand und den versuch wagte, das "zarte - verletzliche" glück der sekunde in relation zu setzen zum leid, das andere ertragen müssen, zur gleichen zeit oder zur zeit des nationalsozialismus... da ist gar nix einfach so dahingeplänkelt...

    ja, du hast recht, man muss sich ob der miserablen welt tagtäglich aufs neue empören... wieder und immer wieder....
    aber letztlich wird die welt ihre schneise durch unsere leben ziehen.... und ob wir uns empören oder nicht, es wird ihr letztlich egal sein....

    liebe grüße
    gabriele

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