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Samstag, 25. April 2009

Höllentrip

So tief ins Mauerwerk
mit dir zu gehen,
die wenigen Schritte
in diese Häuserschlucht,
sie dämmen meinen Mut,
sie hemmen meine Freude,
sie zerstückeln meine Aussicht,
sie stumpfen meine Lust
im Hackmaß des Schrittes,
nur dieser kleine ausgestampfte Pfad,
der keinen Raum für Himmel lässt,
und der Geruch, Geruch nach Enge, nach irgendwas,
zwischen kalkiger Wand, Erdklumpen,
Salpeter und menschlichem Rest,
und dem Absud von Schweiß
der aus Angst und Elend verkocht. Düsternis,
aussichtsloses gehemmtes Schluchzen,
und Rotz, der an Kinderwangen klebt
und Tränensäcken,
und Gicht, die Gelenke aufbläst,
und Schorf und Krätze
und ein verschmutzter Verband
auf schwärenden Wunden
und ein Gewölle von Haaren,
das auffliegt, wenn der Wind
durch die Luken fegt,
und irgendjemand flüstert:
„Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine meo!“

Pst, Kindchen, komm,
ich träum dir die Welt,
komm, Kindchen, komm,
ich schnalle dir Flügel an den kleinen Leib,
ich hauche dich an und küsse dich fort...

Pst, Kindchen, fliege,
dies ist kein Ort, hier gedeiht nichts,
mach dich davon, mein Atem, spürst du,
schon trägt er dich weit,
lasse nicht ab, fliege...
.
.
.
.

Kommentare:

  1. Fast ein Totentanz, dieser Höllentrip. Lockend und abwehrend zugleich, anziehend erschreckend an einigen Stellen. Mit der richtigen Musik vorgetragen: ein Heavy-Metal- Stück. Vorgetragen von Klaus Kinski: bittersüße Poesie mit einem Hauch von Engelmacherei am Ende. Gänsehaut ...

    Viele Grüße
    Ralf

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  2. Lieber Ralf,
    ich danke Dir. Ich danke Dir besonders für Dein Einfühlungsvermögen - und dass Du Dich hast verführen lassen, diesen lyrischen Höllentrip so weit mit mir zu gehen, dass er Dir Gänsehaut verursacht hat ... und ..., dass Du es mir geschrieben hast!


    Gabriele

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