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Sonntag, 21. April 2013

Traumfolgen


ein netz aus schatten hat die nacht gewoben
drin baumeln zeichen, sind aus kaltem glas,
berührt dein finger diese glatten wesen
ertönen sphärenklänge, klingen lange nach.

ein windhauch hat schimärenhaft zerstoben
die schattenzeichen netz und glattes glas,
nur die musik, aus lichten wunderklängen,
vibrierte noch, als längst der tag anbrach.



Voller Dankbarkeit füge ich Bernhard Albrechts

Gedicht, das er mir im Kommentar zugeschickt hat, hinzu: 


Quelle

Die Stille
der Unmittelbarkeit einatmend
vibrieren Worte
im Klang der Sphären,
Nacht erhellt sich
im Tanz der Wesen,
die kreisend Deine Wege umfassen.

Du staunst,
spürst die Kraft,
die im Loslassen Dir zukommt -
verstehst,
findest Dich neu
von Augenblick zu Augenblick.

© Bernhard Albrecht, 22.04.2013
für Gabriele Brunsch



Dienstag, 12. März 2013

Graffiti

GRAFFITI

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wände,
an häusern, tunneln, bröckelnden fassaden,
...ich wohne mittendrin und wollte sterben...

ich hasse diese öden leeren ausgelebten wesen,
die in den hinterhöfen hinter fahlen mauern leben,
...ich wohne mittendrin und will nicht sterben...

ist rot ihr herz, so schlägt es monoton im blassen takt
jahrausjahrein – ihr inneres ist wie die mauern nackt,
...ich wohne mittendrin und werde leben...

wer macht die fehlerhafte welt so willenlos,
dass sie sich einlässt auf das kahle, kalte blasse?
...ich wohne mittendrin und lebe...

ist nicht die haut des körpers atemschicht,
ist die haut tot, dann lebt der körper nicht.
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe...

will gott sein, kreateur zum trost der augen,
als spurenleger -licht in seele- will ich taugen,
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe...

mit farben lösche ich das farbenelend aus
ich spraye wortgeflecht und bild auf jedes haus.
...ich wohne mittendrin und lebe, lebe, lebe..

Mittwoch, 14. November 2012

Gedanken zur Kunst




***



Kunst existiert, weil das Leben so voll ist,
dass es ein Ventil braucht, es zu ertragen....


***

© Gabriele Brunsch

Freitag, 28. September 2012

zukunft

***

an der pforte der zukunft

stehen wir 

umjubelt 

vom glockenklang 

des JETZT

umschallt 

von wohl

und 

von elend

...

doch was 

wir über die schwelle tragen

???

und welche musik 

die räume durchklingen

???

wer mag das wissen


***






Donnerstag, 13. September 2012

AHNUNG

Ahnung

Die sonne brennt durchs kühle blattgewirr,
vom morgentau noch feucht und glanzumspielt,
ein herbst hält einzug – wie ich ihn gefühlt,
vor jahr und tag, so steht er jetzt vor mir.

Ins satte blau mischt wind den weißen strich,
wattegeplustert treibt er durch die zweige,
ins grün mischt fadendünnes gelbes sich,
es ist wie’s ist, das jahr es geht zur neige.

Das kleine lächeln, das der greis mir schickt,
es ist versiegt, im letzten atemholen,
der tod griff hastig und verstohlen,
ein lebensstrang entwurzelt und geknickt.

Schon wieder, denk ich, war’s schon wieder zeit?
des todes schleppe streift die bunte welt
und lässt erbleichen, wie es ihm gefällt,
zieht drüber hin, sein mantel bauscht sich weit.

Es gruselt mich, ich hülle mich in schweigen,
nur dunkle kummersilben fallen auf die zeilen.

Ich zerre grün mit warmem gold in meine tage,
weil ich das fahle ahnen nicht ertrage.

 Kommt, bitte, lacht! ich öffne alle türen,
will freude, lust und heiterkeit erspüren.

Ein zwitschern wildgemischt das dringt herein,
mein garten, der will noch nicht herbstlich sein.

© Gabriele Brunsch

Sonntag, 8. Juli 2012

ZEIT GEDICHT

.

...während ich den zeitmangel als last spüre,
von ihm gequetscht, zerdrückt, geknechtet werde, 
ist's so, als fräße mir die zeit die zeit vom leib.
ein monster, untier, dämon, giert und geifert,
stößt atemlos mich in gedankenleere.


nicht weiß, nicht schwarz umgibt mich's nichts.


so sitze ich, ermattet, ausgehöhlt und endlos müde. 


nicht sind da zeichen jetzt, 
nicht lausche ich hinein in diesen raum,
nichts lässt mich tasten, nichts verbinden,
nichts lächelt, nichts lässt mich verschwinden.
das nichts beginnt mich einzusaugen,
und hat mich längst schon ausgekotzt,
drückt bleiern schlaf auf meine augen.


 hab ich dem ansturm nicht getrotzt?
hab meiner zeit den zahn gezeigt,
in den sie sich so hart verbiss,
mich tränenreich ins nichts ausließ?


in zeitnot heftig eingezwängt,
kann selbst der traum mich nicht entlasten,
denn schlaf ist schon ein kleiner tod,
und raubt mir rasend die sekunden,
raubt mir die welt, die lichterstunden,
die wellenströme, die mich reich erfüllen,
die bilderwelten, die den hunger stillen,
wie klang und duft, wie frühlingsluft,
getränkt von worten.


war mir die welt
nicht immer reich 
war sie mir nicht
die amme, die mich trug und nährte
mich sanft ermahnend
aus dem dunkel zerrte
mit ihren
stahlgrundworten,
ohne wenn und aber,
mit ihren
stahlgrundklängen,
orchestral und breit,
mit ihren
stahlgrundbildern,
stahlgrunddüften,
stahlgrundfesten zeitgedanken.




hätte ich hass zum wappnen,
doch den hab ich nicht.
fühlte ich neid und gier,
ich lebte anders, sicherlich.

hätte ich stolz,
kennte ich diese ängste nicht.
so sitz ich noch lebendig,
angenagt von zeit
zerschlissen fast,
doch kampfbereit, 
denn nächtlich stählte mich das wort,
stählt' der gedanke,
stählte mich das licht
...

verzeiht
...
es stählte mich 
...
die sucht
...
verzeiht
...
es stählte sehn-sucht mich
...
es stählte suchend mich
...
die liebe
...
...
zum 
...
gedicht


.

Samstag, 8. Oktober 2011

...Ob es nicht besser wäre nach Süden aufzubrechen

...oh, könnten wir nach süden aufbrechen und dem dunkel entfliehen...

...füllt sich das herz mit toten?
dann lass mich mit dir leiden.

denn auch in meinem wiegen sie schwer,
als müsst es die wände sprengen,
als zögen sie stunde um stunde mich in das dunkel.

noch rieche ich seinen duft,
betörend jung und schön,
noch ist mir der anderen wort im ohr
und streicht mir die hand übers haar.
noch hör ich des nächsten atem so schwer,
wie er röchelt und flüstert: ich sehe das licht.
noch kreischt die ferne durchs telefon:
hör, ich weiß, ich muss sterben, und du?
du lebst weiter, ja du!
noch seh ich die freundin liegen im sarg
am frostkalten tag, elend verreckt,
weil verlassen in tief-schwarzer nacht,
als der krebs sie trieb durch die straßen
und sie fand nicht den weg...
noch hör ich das elende krächzen der nächsten,
die sagt': morgen gehe ich heim, morgen,
da stehe ich auf, morgen!
und stirbt in der nacht.
noch seh ich das lächeln des nachbarn,
der sagte humorvoll: geht’s mir nicht gut?
musste wohl erst liegen und sterben,
um dich vor mir knien zu sehen...

ich weiß, die meinen nimmt mir das leben,
nimmt mir das schicksal, die krankheit, der tod.
nimmt sie und lässt mich allein mit den stimmen,
dem lächeln, dem streicheln, dem röcheln,
dem krächzen, dem gruß, der umarmung, der letzten.
lässt mich allein, sitzen und lauschen.

...und dann spür ich das herz,
da drinnen, wie es sich weitet und schwer wird,
wie es brennt und sich wehrt.
will nicht annehmen, will nicht verstehen,
will nicht den ganz normalen gang dieser leben
um mein gezirkeltes zentrum der welt
gelassen ertragen...

wer nur hat sich das ausgedacht?
wer treibt den motor, der im zickzack
im trudelstrudel die welt torkeln lässt,
das leben verstrickt und zerhackt,
auflöst und trennt, ohne rücksicht,
ohne gnade und ohne verstand?

wer nur....

lausche ich den stimmen,
versuche ich das humorvolle lächeln des einen
mir hervorzuholen, und erfühle
die hand der anderen auf meinem haar...
und glaube inniglich dem, der sagte,
er sähe licht!

sie lasse ich wachsen, in meinem herzen,
und verschmelzen mit all meiner sehnsucht
nach dem duft des jungen, der voller vergangenheit war,
aber die ganze zukunft
so gänzlich unberührt und weit
vor sich hatte.

und ertaste das blau des himmels
hinter den wolken...

© by Gabriele Brunsch

Freitag, 17. Juni 2011

O H N E T I T E L



Dunkle Erinnerung an Honig

tropft im Sturzflug

aus den Wolken,

die wir alle beim Namen kennen.


Abtauchen unter den Wimpernschlägen

einer unergründlichen Tiefe,

einer Bläue,

die uns von je her ängstigte.


Benetzt mit Unwissenheit

verweilen wir im Unverstandenen

solange bis die Frostschäden

des engültig letzten Winters

die gläsernen Käfige bersten lassen.


Geängstigt durch die ungeahnte Freiheit

hasten wir an uns vorbei,

zu tot um ein letztes Mal

den Honig zu kosten,

der nicht mehr ist als die Henkersmahlzeit 

einer Ameise.


© by MARTIN HUBER

Dienstag, 12. April 2011


 .


für die kraft der neuen erinnerung
suche ich das vergessen...

für die tiefe des blauen himmels
lösche ich das anthrazit...

für die rotation der gefühle
öffne ich meine hände...

für die nähe der milchstraße
schließe ich meine augen...

für den rausch der liebe
spiegle ich dein lächeln...


.